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Ellipse

Der Terminus Ellipse, aus dem griechischen Wort „élleipsis“ abgeleitet, bedeutet in einfacher und wörtlicher Übersetzung Auslassung.
Die Ellipse ist ein Begriff der Grammatik, der Rhetorik, der Narratologie und auch der Mathematik.
Die rhetorische Figur der Ellipse ist die einfachste Grundform in der Reihe der Auslassungsfiguren und gehört seit jeher zum festen Bestandteil der Redefiguren. Durch den kunstvollen und bedachten Einsatz dieser können sprachliche Aussagen auf das semantisch Notwendigste beschränkt und in ihrer Prägnanz bestärkt werden. Die Ellipse dient der Sprachökonomie, der gedanklich stilistischen Zuspitzung und ist u.a. alltägliche Form emotionalen Ausdrucks. In der Literatur, vor allem im Sturm und Drang wird die Ellipse als Kunstmittel bevorzugt eingesetzt, um unmittelbare Natürlichkeit zu evozieren. In der modernen Lyrik erlangt die Stilfigur der Ellipse poetologische Bedeutung. Durch das Auslassen verschiedener Worte entstehen Satzfragmente, die den Leser zu freien Assoziationen und Deutungen herausfordern.
Als Beschreibungsterminus zur narratologischen Analyse von Erzähltexten (Gérard Genette: „Die Erzählung“ 1998) bezeichnet die Ellipse eine inhaltliche Aussparung eines Ereignisses in der Geschichte durch die erzählerischen Darstellung. Ellipsen beeinflussen die Zeit einer Erzählung und deren Verhältnis zur Geschichte. Solche Aussparungen oder Zeitsprünge können sowohl verklärende, verwirrende als auch aufklärende Effekte beim Leser erzielen.

Literatur
Genette, Gérard: Die Erzählung. 2. Auflage München 1998.

(C. Sch.)