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Dekodierung

Im Prozess des Zeichenlesens ist die Dekodierung eine Entschlüsselung, ihr Ergebnis die Bedeutung. Ein einfaches Beispiel soll den Vorgang veranschaulichen. Im Park sagt eine Frau zu ihrem Mann: „Ich sitze auf der Bank“. Der Sender (sie) übermittelt eine Nachricht oder Botschaft, deren Elemente nach den Regeln von Codes auf syntaktischer, semantischer und pragmatischer Ebene gefügt sind. Der Hörende kann die Zeichenkette erst korrekt im Sinne des Sprechers übersetzen, wenn er die gleichen Kodes zu Grunde legt und wie intendiert von der Ausdrucks- auf die Inhaltsebene schließt. Er darf dem Lautbild „sitzen“ nicht das Konzept „liegen“ zuordnen und muss die wahrscheinlichen Bedeutungen der Wörter einbeziehen, was etwa bei Homonymen wichtig ist. Wahrscheinlich ist im Beispiel, dass die Frau auf einer Parkbank sitzt; weniger wahrscheinlich sitzt sie auf einer Sparkasse. Die korrekte Entschlüsselung setzt also konventionalisierte Codes einer Sprachgemeinschaft, die mindestens aus Sprecher und Hörer besteht, voraus. Umberto Eco: „Bei der Alltagskommunikation erfolgt die Bezugnahme auf die Kodes fast automatisch, so daß man die Dekodierungsprozesse als bedingte Reflexe verstehen kann, entstanden aus kulturellen Lernvorgängen […]“ (Zeichen, S. 188)

Literatur
Eco, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt am Main 1977 (=es 895).
Jakobson, Roman: Zeichen und System der Sprache. In: ders.: Semiotik. Ausgewählte Texte 1919-1982. Frankfurt am Main 1988, S. 427-436.

(K.Ko.)