Springe direkt zu Inhalt

Arbitrarität

Die Arbitrarität, die Willkürlichkeit des Zeichens im Signifkationsprozess, ist ein umstrittener Aspekt der semiotischen Forschung. Sie bezeichnet die bewusste Setzung und Verbindung von Signifikat und Signifikant, die durch Tradierung und Konventionalisierung binnen einer Gemeinschaft besteht. Mit der Einführung dieses Prinzips in seinen „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ legt Ferdinand de Saussure jedes rezipierte Ausdrucksmittel als willkürlich fest, da es auf einer Kollektivgewohnheit beruht. Einzige Ausnahme ist das diffus bezeichnete „Symbol“, das eine natürliche Verbindung zum Signifikanten aufweise. In der Peirce’schen Zeichentypologie ist sein Begriff den „Ikonen“ zuzuordnen, die einen Referenten abbilden. Umberto Eco geht von einer Arbeitsprämisse aus, die den Standpunkt de Saussures nicht erlaubt. Er beschreibt Kultur als System von Zeichensystemen, in denen Beziehungen von Signifikaten und Signifikanten durch konventionshafte Entscheidungen – soweit stimmt er de Saussure zu – getroffen werden. Aber Eco schränkt ein: „Konventionalität bedeutet nicht völlige Willkürlichkeit. Es kann Gründe geben, weshalb man >rot< zur Bezeichnung von Gefahr wählt […]. Diese Definition erfaßt auch die sogenannten »ikonischen« Zeichen. Sie entstehen aus einer Segmentierung des Inhalts, die dazu führt, daß bestimmte (und nicht andere) Aspekte von als ostensive Zeichen betrachteten Gegenständen, die für alle anderen Mitglieder ihrer ganzen Klasse stehen, als relevant erscheinen.“ (Zeichen, S. 170).

Literatur:
Eco, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt am Main 1977 (=es 895).
Saussure de, Ferdinand: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967.

(K.Ko.)