Springe direkt zu Inhalt

Alterationen

In der Narratologie spricht man von Alterationen, wenn innerhalb einer Erzählung Fokalisierungswechsel stattfinden. Alterationen sind dementsprechend bei Genette ein Aspekt des Modus. Bei Alterationen handelt es sich um isolierte Fokalisierungswechsel, die jedoch gegenüber der gesamten Fokalisierung in der Erzählung nicht schwer ins Gewicht fallen. Dabei werden nach Genette zwei Alterationstypen unterschieden: „entweder es werden weniger Informationen gegeben, als an sich gegeben werden müssten, oder es werden mehr gegeben, als der Fokalisierungscode, der das Ganze beherrscht, an sich gestattet“. Der erste Typ wird Paralipse (Auslassung eines Details, das hinzugenommen werden müsste), der zweite Paralepse genannt (Hinzufügen eines Details, das weggelassen werden müsste). Als Beispiel für die Paralipse führt Genette den Kriminalroman an: Der Mörder ist intern fokalisiert. Die Erinnerung an den Mord wird jedoch einfach ausgelassen, obwohl dieser ein realer Teil seiner Erinnerungen ist. Der Erzähler enthält dem Leser in diesem Fall ein wichtiges Detail vor, „um uns am Ende desto besser zu überraschen“. Das Versteckspiel benutzen Autoren, um zu vermeiden, dass eine „Figur von vornherein allzu durchsichtig ist und keine Überraschungen mehr bietet“. Wenn in einer Erzählung die Fokalisierung extern ist und „ein Streifzug durch das Bewusstsein einer Figur unternommen wird“, wenn also die Fokalisierung von extern auf intern wechselt, spricht man von einer Paralepse. Dies kann auch der Fall sein, wenn in einer internen Fokalisierung von etwas berichtet wird, was die Figur nicht wissen kann. Insgesamt bleibt festzuhalten: „Die Erzählung sagt immer weniger, als sie weiß, aber lässt einen oft mehr wissen, als sie sagt“.

Literatur:
Genette, Gérard: Die Erzählung. München, 2. Auflage 1998. S.138-140.

(N.D.)