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Bildfeld

 

Bildfeld

"Es nimmt der Metapher die mögliche Kühnheit. Die stärksten Stützen einer Metapher sind dabei die metaphorischen Nachbarn, wenn sie, aus dem gleichen Bildfeld stammen. Also auch das Bildfeld als die semantische Heimat einer Metapher ist zu berücksichtigen. Jene Renaissance-Gedichte über die Liebesjagd, den Liebeskrieg, das Liebesfeuer, die Liebeskrankheit mögen kühn sein in ihrer Gesamtmetaphorik, ihre einzelnen Metaphern sind es nicht. Die metaphorische Umgebung trägt sie. Aber die Gesamtmetaphorik dieser Gedichte ist auch nicht kühn. Denn das hatte man auch in der Renaissance schon gehört, daß die Liebe wie eine Jagd, wie ein Krieg, wie ein Feuer oder wie eine Krankheit ist. Das war in der Dichtung schon oft gesagt und in vielen Varianten ausgemalt. Das waren nicht nur Metaphern in diesem oder jenem Gedicht, sondern das waren schon Bildfelder der Sprache geworden. Also nicht nur literarische, sondern semantische Gebilde."

[Harald Weinrich: Semantik der kühnen Metapher. Stuttgart 1976.]