Springe direkt zu Inhalt

Neue Kooperation mit der Universität Zürich: Der Teufel und seine poietische Macht

Unter Leitung von Prof. Dr. Jutta Eming (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Christian Kiening / Dr. Daniela Fuhrmann (Universität Zürich) wird ein neues Projekt die poietische Macht des Teufels in der Vormoderne untersuchen.

News vom 24.01.2018

Projektbeschreibung: Der Teufel und seine poietische Macht

Der Teufel ist die Inkarnation des Bösen: Er spricht mit gespaltener Zunge und verführt die Menschen dazu, sich in ihren Sehnsüchten und Begehren zu verstricken. Dazu nutzt er seine Fähigkeit, je nach Situation die Gestalt zu wandeln und den Menschen eine Vielzahl von Trugbildern zu erschaffen. Er wirkt zerstörerisch auf die Schöpfung und alles ihr Zugehörige. – So könnte ein Portrait des Teufels aussehen, und diese Charakterisierung ist es auch, die bislang in der wissenschaftlichen Forschung dominiert. Wird die Dichotomie von ‚Gut und Böse‘ jedoch aufgebrochen, in welcher der Teufel dem Pol des Bösen zugeordnet ist, könnte sein Portrait auch folgendermaßen aussehen: Der Teufel ist eine Gegebenheit, er handelt und greift in das Leben der Menschen ein. Als rhetorisch geschickter Verführer und Meister der Masken gibt er eine Gelegenheit, den freien Willen auf die Probe zu stellen und geheime Wünsche zu artikulieren. Er ist vielgestaltig, anpassungsfähig und kreativ; sein Wirken hat auf diese Weise immer wieder zur Folge, dass etablierte Strukturen, Verhaltensmuster und Normen überwunden werden.

In diesem Sinne ist das von den (alt-) germanistischen Instituten der Universität Zürich und der Freien Universität Berlin gemeinsam verfolgte Projekt daran interessiert, den Teufel als zentrale transzendente Instanz der Vormoderne neu zu bewerten. Am Beispiel des reichhaltigen literaturgeschichtlichen Materials des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (sowie ausgewählten theologischen Schriften) werden dafür moralische Implikationen zugunsten der poietischen Macht des Teufels vernachlässigt. Ausgangshypothese der Arbeit wird sein, dass einige Kapitel der Literatur- wie auch Kulturgeschichte des Teufels mit den Erkenntnissen der skizzierten Perspektivierung neu zu schreiben sind.

Projektleitung: Prof. Dr. Jutta Eming (Freie Universität Berlin) / Prof. Dr. Christian Kiening/ Dr. Daniela Fuhrmann (Universität Zürich)

6 / 11