Dr. Laura Banella
Laura Banella (PhD in italienischer Literatur, Università di Padova 2014; PhD in Romanistik, Duke University 2018) ist Assistenzprofessorin für Italienisch an der University of Notre Dame (USA). Sie wurde an der Universität Pisa und an der Scuola Normale Superiore ausgebildet. Von 2020 bis 2022 war sie Marie-Skłodowska-Curie-Fellow an der University of Oxford mit dem Projekt LyrA – Lyric Authority: Editing and Rewriting Dante’s Lyric Poetry (14th–16th c.). An der Universität Padua leitete sie das Projekt MaTeLDa – Materiality and Textuality: Editing and Rewriting the Lyric Dante in History (2018–2020). Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der mittelalterlichen italienischen Literatur; ihre Forschung konzentriert sich insbesondere auf die Überlieferung der Werke Dantes und Boccaccios. Sie veröffentlichte die Monographien La “Vita nuova” del Boccaccio. Fortuna e tradizione (Rom–Padua, Editrice Antenore, 2017) und Rime e libri delle rime di Dante tra Medioevo e primo Rinascimento (Rom, Edizioni di storia e letteratura, 2020). Ihre dritte Monographie, Rewriting Dante: Lyric Books and Cultural Authority in Medieval and Renaissance Italy (ca. 1290–1550), erscheint demnächst bei der Oxford University Press. Das Buch untersucht die Verbreitung und Rezeption sowie die Formen der Reproduktion und Umschreibung von Dantes Lyrik – den Rime und der Vita nova – vom späten 13. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht dabei die materielle Analyse von multitextualen und multiautoralen Bänden (Liederhandschriften, Lyrikanthologien und Miszellen), sowohl in handschriftlicher als auch gedruckter Überlieferung. Anhand des privilegierten Falles der Rezeption und Kanonisierung Dantes als Dichter analysiert die Studie spezifische Formen poetischer und literarischer Autorität sowie die Bedingungen für die Herausbildung eines literarischen Kanons im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. Zudem wird untersucht, wie zentrale Autoren und unterschiedliche kulturelle Akteure, die als diskursive Instanzen fungieren (Kopisten, Verleger, Intellektuelle und sogenannte „minor poets“), die kulturelle Entwicklung und Identitätsbildung einer Nation mitprägen und beeinflussen.
Ab 2026 ist Laura Banella am Italienzentrum, um ein neues Forschungsprojekt durchzuführen, das durch ein Alexander-von-Humboldt Experienced Research Fellowship gefördert wird. Das Projekt untersucht die Funktion der mittelalterlichen italienischen Lyrik (1280–1350) als Form öffentlichen Diskurses und analysiert, wie lyrische Texte zur Ausarbeitung philosophischer und politischer Konzepte sowie zur Artikulation und Reflexion von Intentionen, Überzeugungen und Handlungen von Individuen eingesetzt wurden. Ziel der Studie ist es, die politische Funktion der mittelalterlichen italienischen Lyrik im aristotelischen Sinne aufzuzeigen. Durch die Lyrik wäre es möglich, darüber nachzudenken, wie Menschen bestmöglich zusammenleben sollten (to koinōnikon zēn). In dieser Perspektive wird die Lyrik als ein beständig öffentlicher Diskurs verstanden, der mündliche und schriftliche Formen vereint und als Ort vielschichtiger Wissensproduktion sowie der Aushandlung von Werten, sozialen Normen und Identitäten fungiert. Das Projekt zielt darauf ab, eine neue, einheitliche Sicht auf die mittelalterliche italienische Lyrik als Diskursform, öffentlichen Raum und kulturelle Praxis zu eröffnen, die eng mit der spätmittelalterlichen italienischen Gesellschaft sowie ihren sozialen (Kommunen) und kulturellen Strukturen verbunden ist.
