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Dante visuell. Gesprächs- und Vortragsreihe kuratiert von Michele Cometa

Im Dante-Jahr – dem 700. Todesjahr des Sommo Poeta – organisiert das Italienische Kulturinstitut Berlin eine Reihe von Gesprächen und Vorträgen zum Thema „Dante visuell“.

Seit einigen Jahrzehnten hat die Literaturwissenschaft zur Kenntnis genommen, dass die visuelle Kultur von Schriftstellern ein integraler, wenn nicht gar grundlegender Bestandteil ihrer „Werkstatt“ ist. Jeder literarische Text offenbart, richtig befragt, eine ganze Bilderwelt samt ihrer Tradition, die seinem Entstehen vorausgeht und es leitet. Dies trifft für Werke der italienischen Kunst zu, die – um es mit Italo Calvino zu sagen – Dantes Phantasie beflügelten und seine Kreativität anregten. Aber umgekehrt bringt auch jedes literarische Werk Bilder hervor, wie die nunmehr jahrhundertelange Geschichte der „Illustrationen“ zur Commedia zeigt, angefangen von Botticelli bis heute: Illustrationen, die sich heute in verschiedenen Medien zeigen, von illustrierten Ausgaben bis hin zu Comics, von traditioneller Malerei bis zu digitalen Kompositionen.

Das Verhältnis von Literatur und visueller Kultur, die visuellen Quellen Dantes, die multimedialen Illustrationen seiner Werke und die zahllosen figurativen Nachwirkungen seiner Phantasie werden Gegenstand der Treffen mit einigen der führenden Spezialisten dieses Forschungsbereichs sein, welcher mittlerweile einen eigenständigen theoretischen Rang einnimmt. Lina Bolzoni, Lucia Battaglia Ricci, Laura Pasquini, Cornelia Klettke, Andreas Schalhorn und Giovanna Rizzarelli begleiten uns in eine der bedeutendsten figurativen Landschaften der Weltliteratur.

Die Reihe startet am 17. Februar mit der international renommierten Literaturwissenschaftlerin Lina Bolzoni.

Dantes Commedia: Das "sichtbare Sprechen" und die Kunst der Erinnerung.
Gespräch und Vortrag mit Lina Bolzoni (Scuola Normale Superiore di Pisa)
Moderation: Michele Cometa (Università di Palermo)

17. FEB, 19.00 Uhr
Online via Zoom, klicken Sie auf diesen >>>Link
Auf Italienisch mit Simultanübersetzung

Dantes Divina Commedia ist in mehrfacher Hinsicht ein visuelles Werk: es möchte seinem Publikum die Reise ins Jenseits „sichtbar machen“ und es so an der innerlichen Wandlung des Erzählers teilhaben lassen. Aus diesem Grund nutzt Dante häufig Begrifflichkeiten, die der bildenden Kunst entstammen. Im Läuterungsberg verwendet er den Ausdruck des "sichtbaren Sprechens" („visibile parlare“) Gottes. Auch dank der Kraft der Bilder wird sein Epos zu einer großen 'Kunst der Erinnerung'. Die Rezeption des Werkes über visuelle Darstellungen ist äußerst vielfältig, einige Beispiele werden an diesem Abend gezeigt werden, vor allem zur Episode um Paolo und Francesca da Rimini.

Lina Bolzoni ist emeritierte Professorin für Italienische Literatur an der Scuola Normale Superiore di Pisa und Global Distinguished Professor der New York University; sie ist Mitglied der Accademia dei Lincei und fellow der British Academy. Für das Istituto dell'Enciclopedia italiana hat sie den Band La Commedia di Dante nello specchio delle immagini (2021) herausgegeben.

Die Veranstaltungsreihe findet statt in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, das ab 2. Juni 2021 die Ausstellung "Höllenschwarz und Sternenlicht. Dantes Göttliche Komödie in Moderne und Gegenwart" zeigen wird.