Workshop „Musik, Sprache und die Frage der Metaphysik: (Musik-)Philosophie nach Adorno“
Das Werk Adornos kann in seiner Gesamtheit als ein Ringen mit den Möglichkeiten und Grenzen (philosophischer) Sprache verstanden werden. Geleitet von einem emphatischen Wahrheitsanspruch, der nicht jenseits von Vernunft und Diskursivität sein kann, sich aber auch nicht in dem erschöpft, was der begrifflichen Sprache kommensurabel oder faktisch der Fall wäre, rückt schon früh in seinem Schaffen das Verhältnis von Philosophie und Musik ins Zentrum seines Interesses. Eingedenk der Lebendigkeit von Selbst, Sprache und Wirklichkeit, erkennt er in der musikalischen Sprachform und ihren „utopischen“ und zugleich „hoffnungslosen Anstrengungen“ (AGS 18, 154) um den „göttlichen Namen“ (AGS 16, 252) nicht nur die Beziehung zur Philosophie begründet, sondern auch dasjenige aufbewahrt, was das falsche Ganze übersteigt und das die Philosophie durch ihre Diskursivität nur positiv behaupten und damit als endlich aufgehoben und eingeholt hinstellen kann. Es mag gerade der gemeinsame Sprachcharakter von Philosophie und Musik sein, an dessen Verhältnis zueinander sich die Frage einer (negativen) Metaphysik in der Moderne zu entscheiden scheint: und mit ihr, der emphatische Anspruch der Philosophie nach Wahrheit selbst.
Hat die philosophische Sprache qua ihres rhetorischen Elements Musikähnlichkeit, während die Musik qua ihres rationalen Gehalts den philosophischen Anspruch an Wahrheit vertritt, den diese nicht (mehr) einzulösen vermag, dann lässt sich ihre Vermittlung als eine wechselseitig innere begreifen, die Rückschlüsse auf das Verhältnis beider in Adornos Werk und darüber hinaus ermöglicht.
Drohen Philosophie und Musik – im Angesicht der Katastrophen des 20. Jahrhunderts sowie Kulturindustrie und dem, was Adorno als „falsch auferstandene Metaphysik“ (AGS 6, 352) bezeichnet –, gleichermaßen zu verstummen oder zur Ideologie zu verkommen, dann verweist dies auf ein objektives Problem, das nicht nur eine (Sprach-)Krise der Philosophie, sondern auch eine der Musik adressiert. Indem Musik jedoch in der Gegenwart ein prekäres, rettendes Moment aufbewahrt, das der Philosophie im Zuge ihrer Verwissenschaftlichung vollends verloren zu gehen droht, fungiert sie als Statthalter einer „wahre[n] Sprache“ (AGS 16, 261) und lässt Adornos Musikphilosophie als spezifische Auseinandersetzung mit der eigenen Darstellungsform lesbar werden – ein philosophisches Projekt, das letztlich dasjenige adressiert, was sich als materialistische „Solidarität mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes“ (AGS 6, 400) beschreiben ließe.
Im Workshop möchten wir den gemeinsamen Versuch unternehmen, die äußerst spannungsreichen Problemstellungen, die sich bei Adorno abzeichnen, in den geistesgeschichtlichen Kontext einer Krise der Metaphysik und Moderne im 20. Jahrhundert zu stellen und an seine Überlegungen zur rettenden Sprachform der Musik zu binden.
Zeit & Ort
23.10.2026 | 09:00 - 19:00
JK 33/121





