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Hannah Schünemann

Hannah Schünemann
Bildquelle: Anneli von Klitzing

Dramaturgien des Bruchs. 'Aktualisierung' durch Gesten in der darstellenden Kunst der Gegenwart

Hannah Schünemann studiert von 2010 bis 2014 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und in Paris an der Université Paris-Sorbonne IV. 2013 erhält sie ein Forschungsstipendium der LMU München, das sie ins Archiv des Philosophen Jaques Derrida am Institut mémoires de l’édition contemporaine in der nordfranzösischen Normandie führt. 2014 beginnt sie ihr Masterstudium am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität Berlin, das sie 2016 mit einer Arbeit über die Theorien des (Nicht-)Verstehens abschließt. Zuvor erhält sie ein Stipendium für einen Studien- und Rechercheaufenthalt an der Pariser Universität École normale supérieure, wo sie u. a. bei Frédéric Worms und Bertrand Badiou studiert. Während des Studiums arbeitet sie im journalistischen Bereich, u. a. für die taz und den ORF. Parallel übernimmt sie Recherche- und Übersetzungstätigkeiten für Theaterprojekte.

Ihre Tätigkeit an der Volksbühne Berlin ab Beginn 2017 führt sie mit Künstler*innen wie Boris Charmatz, Tino Sehgal, Mette Ingvartsen und Jérôme Bel zusammen. Als Dramaturgin arbeitet sie u. a. mit den Regisseur*innen Bonn Park, Marie Schleef, Pınar Karabulut, Lucia Bihler, Alexander Eisenach und Susanne Kennedy zusammen. Zudem kuratiert sie in der Spielzeit 2019/20 die queerfeministische Reihe FAM_presents mit dem gleichnamigen Kollektiv für den Grünen Salon und arbeitet an der Konzeption und Ausführung des POSTWEST Festivals (2020) mit.

2019 nimmt sie mit einem Beitrag zu Digitalität und Erinnerung in theatralen Kontexten am Symposium #wessenfreiheit  der Kunsthochschule Weißensee und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch teil. 2020 moderiert sie die Künstlerinnengespräche mit Florentina Holzinger und Marie Schleef im Rahmen des Symposiums Performances von [Weiblichkeit] an der Universität der Künste Berlin.

Seit Juni 2020 ist sie Projektstipendiatin an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule der Freien Universität Berlin und bereitet ihr Dissertationsprojekt bei Prof. Dr. Doris Kolesch zum Thema Dramaturgien des Bruchs. Aktualisierung durch Gesten in der zeitgenössischen Darstellenden Kunst vor.



2020 - Universität der Künste Berlin, Symposium Performances von [Weiblichkeit], Moderation Künstlerinnengespräche Florentina Holzinger u. Marie Schleef

2019-2020 - Volksbühne Berlin, Dramaturgin, Projekte: FINAL FANTASY, Regie: Lucia Bihler / FAM_presents, Konzert-Reihe Grüner Salon / ULTRAWORLD, Regie: Susanne Kennedy / Der Kaiser von Kalifornien, Regie: Alexander Eisenach / POSTWEST, Transkulturelles Festival / Iphigenie. TRAURIG UND GEIL IM TAURERLAND, Regie: Lucia Bihler

2019 - Kunsthochschule Weißensee & Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Symposium #wessenfreiheit, Podiumsbeitrag

2018-2019 - Volksbühne Berlin, Dramaturgieassistenz + Produktionsdramaturgie: Drei Milliarden Schwestern, Regie: Bonn Park / Die Hand ist ein einsamer Jäger, Regie: Pınar Karabulut

2017-2018 - Volksbühne Berlin, Assistentin der Programmdirektorin

2015-2016 - École Normale Supérieure Paris, Forschungssemester

2014-2016 - Freie Universität Berlin, Masterstudium Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Abschlussarbeit: Brüche im Verstehen. Nicht-Verstehen und Negation als produktive Momente – Die Celansche Spur zwischen Szondi und Schleiermacher, Derrida und Gadamer

2013 - Gefördertes Forschungsprojekt „Recherche zu Jacques Derrida“ im Archiv IMEC der Abbaye d’Ardenne, Frankreich

2013 - Université de Paris (Sorbonne IV), Auslandssemester

2010-14 - Ludwig-Maximilians-Universität München, Bachelorstudium Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft, Abschlussarbeit: Konstruktion und Dekonstruktion: Eine Begegnung von Surrealismus und Jacques Derrida

Dissertationsprojekt

Dramaturgie des Bruchs. Aktualisierung durch Gesten in der darstellenden Kunst der Gegenwart (Arbeitstitel)

Ausgehend von den Künstlerinnen Susanne Kennedy, Florentina Holzinger und Lucia Bihler beschäftigt sich das Dissertationsprojekt mit dem Bruch als dramaturgische Form in der darstellenden Kunst der Gegenwart. Die Arbeiten dieser vielbesprochenen Nachwuchsgeneration heben sich von der künstlerischen Praxis der vorausgegangen Jahrzehnte ab und stehen paradigmatisch für einen Wandel der 2010er Jahre, der sich vor dem Hintergrund wieder erstarkender feministischer Themen und Diskurse um die Identitätspolitik entfaltet. Dabei finden sich bei allen drei Künstlerinnen spezifische dramaturgische Motive in der Auseinandersetzung mit Subjekten, Körpern und Genres. Die drei Dramaturgien eint ein formales Element: Der formale Bruch stiftet im Kontext der theatralen Zeichen ihre Gemeinsamkeit. Indem ihre Arbeiten tradierte Darstellungen dekontextualisieren, denaturalisieren und collagieren, ermöglichen sie, so die grundlegende These des Projekts, eine Aktualisierung der darstellenden Kunst der Gegenwart. Insofern es sich beim Bruch um eine Form handelt, die sich immer anhand des performativen Körpers auf der Bühne vollzieht, ist ein weiterführendes Theorem für deren Betrachtung ausschlaggebend: die Geste. Mithilfe der Geste als formalem Bruch wird die neue Formsprache der oben genannten Künstlerinnen zur darstellenden Kunst seit Brecht bis zum postdramatischen Theater in Bezug gesetzt. Aktuelle Überführungen theoretischer Grundlagen der letzten Jahrzehnte in theaterästhetische Überlegungen, wie von Judith Butler, stiften hierfür den Ausgangspunkt. Denn das Aktualisierungsmoment der neuen theatrale Formsprache trägt, so die weiterführende These des Projekts, ihre Vorgänger*innen weiterhin als Signum in der Handschrift, während es diesen gleichzeitig konträr entgegensteht. So zeichnet sich bei Kennedy, Holzinger und Bihler eine Rückkehr zum Illusionstheater ab, die durch eine spezifische räumliche, ästhetische und inhaltliche Hermetik bestimmt wird. Für diese Dichotomie findet das Dissertationsprojekt Beschreibungsformen und Begriffe, um Formen und Inhalte des gegenwärtigen Theaterdiskurses in ein theoretisches Fundament zu überführen.


Weitere Forschungsschwerpunkte

Französische Avantgarde des 20. Jahrhunderts

Literaturtheorien der Dekonstruktion und des Poststrukturalismus

Philologisches Denken bei Peter Szondi und Paul Celan

Zäsuren und Negation in Verstehenstheorie und literarischer Hermeneutik

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