Lea Schneider

Lea Schneider

EXC 2020 Temporal Communities (RA 4 Literary Currencies)

Friedrich Schlegel Graduiertenschule (FSGS)

Doktorand/in

Verletzbarkeit als Waffe. Social-Media-Lyrik zwischen Plattformkapitalismus, emanzipatorischer Strategie und Literaturbetrieb

Adresse
Friedrich Schlegel Graduiertenschule
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Von 2008 bis 2015 Studium der Komparatistik, Sinologie, Kulturwissenschaften und Soziologie an der Freien Universität Berlin, Fudan-Universität Shanghai, Zhongguo-Wenhua-Universität Taipei und Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder.

Seit 2009 Tätigkeit als Lyrikerin, Essayistin, Literaturkritikerin und Übersetzerin chinesischer Gegenwartsliteratur. Informationen zu meinen literarischen Publikationen, Auftritten und Aktivitäten finden sich auf meiner Webseite.

Seit 2019 Promotion am EXC 2020 Temporal Communities und an der FSGS.

SoSe 2015

Lektürekurs: Aktuelle chinesische Lyrik (Co-Teaching mit Prof. Andreas Guder)

SoSe 2020

Von Polylingual bis Pidgin. Mehrsprachigkeit in der Gegenwartslyrik (Co-Teaching mit Dr. David Wachter)

Forschungsinteressen

  • Chinesische Gegenwartslyrik
  • Online-Literatur
  • Ästhetiken der Verletzbarkeit als emanzipatorische Strategie marginalisierter Autor*innen
  • Gatekeeping, Ein- und Ausschlussmechanismen in Literaturbetrieb und Literaturwissenschaft
  • Mehrsprachigkeit, Übersetzung, Pidgin als literarische Form
  • Kulturwissenschaftliche und soziologische Perspektiven in der Literaturwissenschaft
  • Intersektionaler Feminismus und Queer Studies

Promotionsprojekt

Mein Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der expliziten Thematisierung von Verletzbarkeit als Phänomen in der Gegenwartsliteratur. Ausgehend von der Lektüre chinesisch-, englisch- und deutschsprachiger Autorinnen wie Rupi Kaur, Dodie Bellamy, Jenny Zhang, Holly McNish, Ianina Ilitcheva, Stefanie Sargnagel, Puneh Ansari, Yu Xiuhua 余秀华 und Zheng Xiaoqiong 郑小琼 sollen miteinander verwandte Poetiken radikaler Verletzbarkeit herausgearbeitet werden, die, so möchte ich argumentieren, deshalb gleichzeitig zutage treten, weil sie einerseits auf vergleichbare gesellschaftliche und technologische Entwicklungen im frühen 21. Jahrhundert reagieren und andererseits, häufig indirekt infolge mehrschrittiger Übersetzungs- und Aneignungsprozesse, auf ähnliche Quellen zurückgreifen.

Bei diesen Quellen handelt es sich um Techniken, die zuvor in der Bildenden Kunst und der Performance-Kunst entwickelt wurden, sowie um literarische Vorläufer*innen aus dem vor allem in den USA seit Ende der 1980er Jahre stark vertretenen Genre der New Memoir und der Confessional Poetry der 1950er/1960er Jahre, die in allen drei Sprachen rezipiert wurden. Hier findet also eine doppelte Übersetzungsbewegung – zwischen den Kunstformen, zwischen den Sprachen – statt, bei deren Untersuchung ich insbesondere die Asymmetrien in der Aneignung derselben Quellen in den verschiedenen sprachlichen und gesellschaftlichen Kontexten in den Fokus nehmen möchte.

Das Projekt wird dabei die Produktion und Rezeption von Literatur nicht nur aus einer philologischen, sondern auch aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive als sozialen Prozess und gesellschaftliche Praxis betrachten. Der Beobachtung folgend, dass alle ausgewählten Texte zunächst auf Internetplattformen veröffentlicht und über diese verbreitet wurden, bevor sie in gedruckter Form auf dem konventionellen Buchmarkt zirkulierten, soll nach den Wechselwirkungen zwischen diesen Publikationsmedien, den Rezeptionserwartungen und der Entstehung der titelgebenden Poetiken gefragt werden, sowie nach den eng damit verbundenen, gegenwärtig stattfindenden Definitionskämpfen und (Neu-)Wertungen rund um die Begriffe von (Hoch-)Literatur und legitimer Autorschaft.

Nicht zuletzt beschäftigt mich die Frage, inwiefern die konstatierten Poetiken radikaler Verletzbarkeit als eine emanzipatorische Praxis zu verstehen sind, die es Autor*innen, deren Texten durch eine Labelung als Frauen-, Migraten-, LGBTQI*- oder Behindertenliteratur der allgemeine/universelle Status als ganz einfach Literatur abgesprochen wird, erlaubt, eine eigene agency zu entwickeln, indem sie sich genau diese Label bereits im Produktionsprozess proaktiv aneignen, mit ihnen spielen und sie zu einem selbstbestimmten Teil ihrer Poetik machen.

Aufsätze

Am O0-Punkt der Literatur. In: Text+Kritik 225, 2019, S. 79–91. (forthcoming) (in Kooperation mit Tillmann Severin)

Warum Freundschaft interessanter ist als Treue. Vier Gedanken aus der kollaborativen Übersetzungspraxis. In: Poesie Handverlesen, Online-Bibliothek, 2019.

Vögel verschiedener Größe. Zur Übersetzung eines Gedichts von Sun Wenbo. In: akzente 64(3), 2017, S. 12–20.

Vorträge

„On Documentary Poetry.“ Konferenz Poetry at the Crossroads – Tactics of Persistence, 4.–8.6.2018, Ljubljana.

„Globale Wurzeln. Von chinesischer Lyrik, ihrem Problem mit Vogelsprachen und dem Versuch, mehr als eine Gegenwart zu übersetzen.“ Vortrag auf Einladung der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Russischsprachige Lyrik in Transition: Poetische Formen des Umgangs mit Grenzen der Gattung, Sprache, Kultur und Gesellschaft zwischen Europa, Asien und Amerika“, 18.04.18, Universität Trier.

„Ouzhou Palace.“ Lecture-Performance in Kooperation mit Christoph Szalay, 14.10.2016, Forum Stadtpark, Graz.

„Übersetzung als Gespräch.“ Vortrag auf Einladung des Instituts für Germanistik, 29.09.2016, Universität Nanjing.

„On the Current Situation of Chinese Poetry in German Translation.“ 1. Internationale Fachkonferenz des Chinese Culture Translation and Studies Support Center, 09.04.2016, Yuyan-Universiät, Peking.

Übersetzungen

Zang Di: Gesellschaft für Flugversuche. München: Hanser, 2019.

CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Berlin: Verlagshaus Berlin, 2016.

Yan Jun: internationaler tag der reparatur. Berlin: hochroth berlin, 2016.

Belletristik

O0. Multimediale Buch-Installation. Berlin: Verlagshaus Berlin, 2016. (in Kooperation mit Tillmann Severin)

Invasion rückwärts. Gedichte. Berlin: Verlagshaus Berlin, 2014.

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