Milena Rolka

Rolka
Bildquelle: Privat

Freie Universität Berlin

Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Dramatische Sichtweisen - Visuelle Inszenierungen in den Dramen Heinrich von Kleists

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Milena Rolka, geboren 1987 in Krakau, absolvierte ihr Bachelorstudium der Deutschen Literatur und Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin und an der Universität Zürich. Ihr Masterstudium der Deutschsprachigen Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin schloss sie im Frühjahr 2015 mit einer Arbeit über Inszenierungen des Sehens und der Blicke in Kleists Tragödie Penthesilea ab.

Nach ihrem Studium absolvierte sie ein Praktikum im Polnischen Kulturinstitut Berlin und war dort unter anderem als Lektorin und Übersetzerin tätig. Im Oktober 2015 erhielt sie ein PreDoc-Stipendium der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne der Universität zu Köln und führte dort ihr Projekt bis September 2016 fort. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Dramentexte und -theorien der Zeit um 1800, die Deutsche Klassik, intertextuelle Verfahrensweisen sowie Ansätze der Visual Culture Studies und rezeptionsgeschichtliche, wissens- und dramenpoetologische Fragestellungen.

Seit Oktober 2016 ist sie Doktorandin an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule der Freien Universität Berlin. 

28.-29.06.2018, Buchpräsentation und Workshop: Wie Kleist nicht heißt – Kleist-Lektüren, mit Peter Waterhouse, Barbara Nüsse und Prof. Daniel Müller Nielaba zur Veröffentlichung von „EQUUS. Wie Kleist nicht heißt“ (MSB 2018); gemeinsam mit Felix Reinstadler und Andreas Rizzi. In Zusammenarbeit mit dem Haus für Poesie, Berlin.

Dramatische Sichtweisen: Kleists visuelle Dramaturgien des Auftretens

Im Zentrum meines Promotionsvorhabens zu Heinrich von Kleists Dramatischen Sichtweisen steht die Lektüre seiner Dramen als eines durch das Sehen bestimmten Werkes: Ein eigentümlicher Umgang mit Visualität kann als dessen poetische Triebkraft bezeichnet werden und außergewöhnlichen Phänomenen des Sehens und Blickens kommt insbesondere in seinem dramatischen Werk ein zentraler Stellenwert zu. Es zeichnet es sich zudem durch eine spezifische visuelle Dramaturgie aus, die nicht selbstverständlich ist, denn die Figuren bestehen, aller darin entfalteten Elemente eines ,unsichtbaren Theaters’ zum Trotz, entschieden darauf, zu sehen und gesehen zu werden, inszenieren sich als Beobachter und Augenzeugen oder sie beteiligen sich aktiv daran, Sichtbarkeit herzustellen. Energisch stellen sie damit ihre Seh- und Zeigelust zur Schau und machen darauf aufmerksam, dass sie sich im Theater als einem Ort des Sehens und Gesehen-Werdens befinden. Insbesondere, wenn sie auf der Bühne erscheinen, erlangt das Sehen diese besondere Brisanz, denn im Auftrittsgeschehen konzentriert sich in den Texten ein Zusammenhang von Visualität, Drama und Theater auf eine Weise, die eine metatheatrale und -dramatische Dimension der Dramen kenntlich macht. 

Ausgangspunkt meines Projektes ist folglich der Befund, dass sich Kleists Dramen durch eine spezifische visuelle Dramaturgie auszeichnen, die insbesondere in Auftrittsmomenten sichtbar wird und die auf das Theater und seine Aufführungssituation sowie auf die Gattung und Geschichte des Dramas verweist: Sobald die Figuren auftreten, erscheinen sie nicht nur im Drama, sondern, indem sie auf sich selbst als Theater- und Dramenfiguren anspielen, auch auf der Bühne und innerhalb einer dramatischen Tradition. Kleists visuelle Dramaturgien des Auftretens sind damit als eine Praxis lesbar, die auf dem Feld des Theaters und Dramas operiert und angesichts von Auftritten auf die eigene Verfasstheit und Geschichte des Dramas reflektiert. Mein Projekt geht folglich von der Überlegungen aus, dass bei Kleist angesichts von Auftritten eine raffinierte, oftmals verwickelte visuelle Dramaturgie zum Einsatz kommt, die Facetten des Sehens, der Gattung und Geschichte des Dramas und des Theaters auf eine metatheatrale und -dramatische Weise vereint. Indem ich mich den Dramen mit der Frage nach ihren visuellen Auftrittsdramaturgien nähere, möchte ich in meinem Projekt herausarbeiten, wie sich Kleist in den Konnex von Visualität, Theater und Drama einschreibt und dadurch an einem seiner zentralen visuellen Phänomen untersuchen, wie und aus welchem Grund das Sehen in seinem Werk zu einer metatheatralen Größe wird, unter welchen Bedingungen und in welcher Form es von dramatischer Relevanz ist.

Selbst-Bildung durch Shakespeare. Die Shakespeare-Rezeption in den Briefen Heinrich von Kleists, in: Kleist-Jahrbuch 2017, S. 196-212.

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