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Lukas Nils Regeler

RegelerLukas19
Bildquelle: Lorenz Becker

Freie Universität Berlin

Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Exzellenzcluster »Temporal Communities«

Doktorand

»kunst im biotop.« Leben und Nachleben der Literatur vom Prenzlauer Berg

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/104
14195 Berlin

Lukas Nils Regeler (* 1993) studierte Deutsche Philologie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (B.A.) sowie Neuere Deutsche Literatur (M.A.) an der Freien Universität Berlin. Von 2014 bis 2018 war er studentische Hilfskraft am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, u.a. in der Studienfachberatung sowie am Lehrstuhl der Germanistin Jutta Müller-Tamm.


Sein Masterstudium schloss er ab mit einer Arbeit über »Gammler und andere Typen. Hubert Fichtes Roman Die Palette (1968) und die Soziologie«. Seither ist er für das literaturwissenschaftliche Forschungsprojekt Writing Berlin im Exzellenzcluster Temporal Communities tätig; seit dem Wintersemester 2019/20 als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

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Lukas Nils Regeler received his BA and MA in German and Comparative Literature from Freie Universität Berlin. He has worked as a student assistant at the Institute of German and Dutch Languages and Literatures, mostly supporting the research and teaching of Professor Jutta Müller-Tamm.

His Master’s thesis focused on Hubert Fichte’s novel "Die Palette" and its entanglements with early stages of queer theory as well as the rising criticism of sociology in 1968.

Since October 2019 Lukas Nils Regeler is a member of both the Friedrich Schlegel Graduate School of Literary Studies and the EXC Temporal Communities, where he works as a doctoral researcher on the project "Writing Berlin“ (RA 4).

»kunst im biotop.« Leben und Nachleben der Literatur vom Prenzlauer Berg

Die inoffizielle Literatur- und Kunstszene im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg der 1970er und 1980er Jahre wird mit oft facettenreichen Naturbildern umschrieben: Bezeichnet wurde sie dergestalt als »Biotop« (L. Lorek), »Dichtergarten des Grauens« (J. Faktor) und »Schrebergarten der Stasi« (W. Biermann). Mein Forschungsprojekt versteht diese vieldeutige Naturalisierung von Gemeinschaft als Metapher diverser Ein- und Ausschlussbewegungen, die die sogenannte »Prenzlauer Berg Connection« (A. Endler) als solche erst hervorbrachten: Um sich vom offiziellen Literatursystem der DDR abzugrenzen, eigneten sich etliche Dichter_innen des Prenzlauer Bergs von außen importierte Theorien, textuelle Praktiken oder Schreibweisen an, die im DDR-Kanon explizit nicht vorgesehen waren. Ich möchte diese Anleihen (u.a. am französischen Poststrukturalismus, an der US-amerikanischen Beat-Dichtung und den osteuropäischen Avantgarden) nicht lediglich als persönliche Inspiration oder Einflüsse verstehen, sondern als Strategien des unablässigen Austauschs und der dynamischen Gemeinschaftsbildung – nicht zuletzt, um Sichtbarkeit auch in der westeuropäischen Öffentlichkeit zu generieren.
In diesen Traditionsbezügen stehend erwies sich die Gemeinschaft des Prenzlauer Bergs nicht nur als überaus kompatibel mit westlichen Idealen des Schreibens im Untergrund – die Chiffre ›Prenzlauer Berg‹ selbst wurde zunehmend zum Schlagwort, an dem sich oppositionelle DDR-Literatur zu messen hatte. All dies trug indes auch zum Selbstbewusstsein der Szene als ›fruchtbringende‹ Gemeinschaft bei, in der sich Dichtung – geschützt im Untergrund – scheinbar frei entfalten durfte.

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»kunst im biotop«. The Life and Afterlife of Prenzlauer Berg's Literature

The unofficial art scene of the late 1970s and 1980s in the East Berlin district Prenzlauer Berg is commonly characterized through various forms of nature imagery. In this respect, it has been called a "Biotop" (biotope/habitat, L. Lorek), "Dichtergarten des Grauens" (poets' garden of horrors, J. Faktor) or "Schrebergarten der Stasi" (allotment of the Stasi, W. Biermann). My project investigates these ambiguous naturalizations of community as metaphors for the perpetual dynamics of in- and exclusion, which created the so-called "Prenzlauer Berg Connection" (A. Endler): In order to distinguish themselves from the official GDR literary system, several poets from Prenzlauer Berg imported, circulated and even adapted theories, textual practices and forms of writing that had not been accepted into the regular canon of the GDR. I will explore these diverse techniques of adaptation (e.g. of French poststructuralist theory, the poetry of the US-American Beat Generation and East European avant-gardes) not solely as matters of individual literary influences, but as  circulation tactics that aided community building and created visibility in the Western public sphere.
In return, the community not only became more compatible with Western ideals of resistant underground writing – the term 'Prenzlauer Berg' itself evolved into a significant buzzword for evaluating oppositional GDR literature in general, thus contributing to the circle’s self-image of a small, "fruitful" community sheltered by the underground, where poetry was allowed to grow wildly.

Veröffentlichungen

  • »›Penthesilea. SchlachtGänge zwischen Text und Inszenierung.‹ Ein Ausstellungsrückblick.« In: Gedankenstriche. Journal des Kleist-Museums (2018), S. 48–57 (mit Larissa Hesse und Viviane Meierdreeß).
  • »Bläue. Poetologische Lesarten einer Farbe in der Lyrik Thomas Klings.« In: Zeitschrift für Germanistik NF 28 (2018) H. 2, S. 35–49 (mit Jutta Müller-Tamm).
  • »›Verrückte sehen Feuerschlünde.‹ Die Pinge als Seeleneingang in E.T.A. Hoffmanns Erzählung Die Bergwerke zu Falun.« In: anwesenheitsnotiz. studentische zeitschrift für geistes- und kulturwissenschaften 8 (2017), S. 110–131.

Veranstaltungen

  • Fortbildung für Lehrkräfte in der Sek. II: »Gegenwartsliteratur / Lyrik im digitalen Kontext«, Kleist-Museum, Frankfurt (Oder), 22.02.2018 (mit Marion Acker, Matthias Lüthjohann).
  • 5. Institutstag der Deutschen und Niederländischen Philologie: »Das unbedingte Institut«, Freie Universität Berlin, 23.06.2016 (mit Bernadette Grubner, Michaela Hartl, Matthias Lüthjohann, Angie Martiens).
Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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