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Marion Maurin

Marion Maurin
Bildquelle: Anna Stempel

Die Archäologie als Methode und Metapher in den Werken Sigmund Freuds und Walter Benjamins

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/134
14195 Berlin

Marion Maurin (geb. 1986 in Paris) studierte Philosophie an der Sorbonne Paris IV und an der Freien Universität Berlin. Seit 2017 promoviert sie an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule der FU Berlin zum Thema „Die Archäologie als Methode und Metapher in den Werken Sigmund Freuds und Walter Benjamins“. Neben der Promotion arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin. 

Das Dissertationsprojekt situiert sich an der Schnittstelle zwischen Philosophie, Kultur- und Literaturwissenschaft. Es werden archäologische Verfahren und Metaphern in den Schriften Sigmund Freuds und Walter Benjamins untersucht. Das Motiv der Archäologie wird in der Forschung oft als Verbildlichung von Freuds und Benjamins hermeneutischen Rekonstruktionsversuchen geschichtlicher Vorgängen gedeutet. Der Blick auf die weitgehend vom Positivismus geprägte archäologische Praxis der Zeit zeigt aber, dass die Archäologie keineswegs damit koinzidiert. Von dieser Feststellung ausgehend nimmt die Arbeit den Topos ‚Archäologie‘ in den Blick und entfaltet aus einer kulturhistorischen Perspektive ein vielschichtiges Komplexfeld, das kulturelle, epistemologische und metaphorische Ebenen dialektisch verbindet. Damit rücken Fragen nach dem dialektischen Verhältnis von Traum und Wirklichkeit, Mythos und Wahrheit ins Zentrum – die für die Geschichtswissenschaften konstitutiv sind und mit dem Aufkommen der modernen Archäologie eine grundlegend neue Beleuchtung erhalten.

Auch Freud und Benjamin eignen sich diese Fragen ein. So schreibt der Philosoph im Passagen-Werk in eindeutiger Anlehnung an Freud, dass der materialistische Historiker „die Aufgabe der Traumdeutung übernimmt“ – eine Formulierung, die hier buchstäblich verstanden wird. Freud hat den Traum mit einem neuen epistemischen Potenzial ausgestattet: Dessen Deutung verlangt, dass man sich in den Traumtext vertieft, um ein verborgenes Unbewusstes zur Sprache zu bringen. Ähnlich erscheint bei Benjamin die tradierte Geschichtsschreibung als Traum, der nach neuer Deutung verlangt, um einer stummen Vergangenheit Ausdruck zu verleihen. So zielt die Arbeit darauf, mit Rückgriff auf freudsche heuristische Dispositive eine neue Interpretation von Benjamins Geschichtstheorie vorzulegen und diese als Kulturpsychoanalyse darzustellen.

Übersetzungen

Walter Benjamin, „Karl Kraus“in Gesammelte Schriften (Frankfurt am Main 1977). Erschien als Karl Kraus, Paris: Éditions Allia 2018. 

Theodor W. Adorno, „Amorbach“, „Aus Sils Maria“, „Luccheser Memorial“, „Wien, nach Ostern 1967“. Aus Ohne Leitbild. Parva Aesthetica, in Gesalmmelte Schriften (Frankfurt am Main 1977). Erschien als Amorbach et autres fragments autobiographiques, Paris: Éditions Allia 2016. 

Jana Kadel, « "La forme véhicule le contenu". La série d’Evelyn Richter "Visiteurs" », Allemagne d'aujourd'hui, vol. 203, no. 1, 2013, pp. 79-91.

Vorträge

‘Reading Rome: „Nur eine Änderung der Blickrichtung“: Freud's Engagement with Epistemological Issues within the Field of Historical Sciences at the Turn of the 20th Century.’  Internationales Symposium „Freud's Archaeology“, The Warburg Institute, London, 4. bis 5. Juni 2019.

„Den Essay übersetzen.“ Internationale Tagung „Theorieübersetzungsgeschichte“, Peter Szondi Institut, Berlin, 22. bis 24, November 2018.         

“Manchmal ist es gerade die Prise Dichtung, welche die Erinnerung wahrheitsgetreu macht.“ Die geträumte Geschichte bei Freud und Benjamin." Jahrestagung der FSGS „Vielleicht. Formen literarischer Eventualität“, ICI, Berlin, 9. bis 10. November 2018

„Der Traum der Geschichte bei Walter Benjamin.“ Tagung „Walter Benjamin und die Poesie“, Villa des FSB 980 Episteme in Bewegung, Berlin, 29. bis 30. Oktober 2018.


 

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