Barbara Bausch

Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien

Das Erscheinen des Realen. Poetik der Störung in der Prosa Ror Wolfs.

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/103
14195 Berlin

Barbara Bausch studierte Germanistik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der FU Berlin, gefördert wurde sie dabei von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Von 2013 bis 2014 lehrte sie als Lektorin der Robert Bosch Stiftung in der Ukraine an der Universität Sumy Literaturwissenschaft und führte dort wie auch international Kulturprojekte durch. Von 2014 bis 2017 war sie als Programmkoordinatorin für die Robert Bosch Stiftung sowie als freie Lektorin im Bereich Sachbuch und Belletristik tätig. 2017 erhielt sie ein Einstein-Projektstipendium der Friedrich Schlegel Graduiertenschule. Seit 2018 promoviert sie an der Graduiertenschule zur Poetik der Störung in der Prosa Ror Wolfs. Im autumn term 2019 Aufenthalt als visiting scholar an der University of Chicago.

Dissertationsprojekt

In Zeiten, in denen Sicherheit und Prävention leitende Themen in Politik und Gesellschaft darstellen, rückt die Figur der Störung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Störung als das vermeintlich Andere des Normalverlaufs kann im Wesentlichen zwei Reaktionen hervorrufen: Als unliebsame Unterbrechung oder Dysfunktion wird sie auf der einen Seite abzuwehren versucht, kann auf der anderen Seite aber durch ihr Irritationspotential neue Perspektiven ermöglichen und Entwicklung in Gang bringen.

Die Figur der Störung soll in der geplanten Dissertation als produktive Kategorie betrachtet und für die literaturwissenschaftliche Analyse fruchtbar gemacht werden. Untersucht werden hierfür die langen Prosatexte des von der Forschung bislang wenig rezipierten Autors Ror Wolf. Dessen Prosawerk, so die Annahme, kann aufgrund des großen Spektrums an Störungen sowie deren Allgegenwart als Poetik der Störung gelesen werden. Anhand der Prosa werden Verfahren und Motive der Störung herausgearbeitet, die auch über das Werk Wolfs hinaus von Interesse sind. Es wird gefragt, welche Funktion die Störung im Text erfüllt, wobei die These verifiziert werden soll, dass die Störung als Erscheinung des Realen im Text lesbar ist. Davon ausgehend eröffnet die Dissertation durch Einbezug von anschlussfähiger zeitgenössischer Prosa (z.B. von Friederike Mayröcker oder Arno Schmidt) eine neue Perspektive auf die experimentelle deutschsprachige Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese wird als Ort der Verhandlung des Realen begriffen, womit die Opposition von experimenteller Prosa auf der einen und realistischem Schreiben auf der anderen Seite hinfällig wird. Durch diese theoretische Ausrichtung ordnet die Arbeit sich ein in das international wiedererwachte Interesse an Realem und Realismus in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

 

Vorträge

„Vielleicht Polzer. Eventualität und Kontingenz in Ror Wolfs Abenteuerserie ›Pilzer und Pelzer‹”, Vielleicht. Formen literarischer Eventualität. Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien, 9. und 10. November 2018.

„Ausbrüche, Einbrüche, Abbrüche”, Konferenz des Europäischen Netzwerks für Studien zu Avantgarde und Moderne (EAM) Realismen der Avantgarden, 5.−7. September 2018.

„Apparitions of the Real. Disruptions in the prose of Ror Wolf”, Konferenz Realisms, Universität Göttingen, 5. und 6. Juli 2018.

„Realismus in der Prosa Ror Wolfs”, Summerschool Rückkehr des Wirklichen. Neuer Realismus und Gegenwartsliteratur, Universität Tübingen, 9.−11. Mai 2018.

  

Veranstaltungskonzeption

Literatur x Wissenschaft: Realismus. Position beziehen (Colloquium). Moderiert von Julia Weber und Barbara Bausch. Lettrétage Berlin, 6. September 2019

Drahtseilakte. Lesung, Screening und Gespräch zum Akrobatischen mit Jule Böwe, Ann Cotten, Jana Korb und Benjamin Zuber. Literarisches Colloquium Berlin, 9. Mai 2019

Literatur x Wissenschaft: Etablierte Konzepte und zeitgenössische Schreibstrategien des Realismus (Colloquium). Moderiert von Julia Weber und Barbara Bausch. Lettrétage Berlin, 26. November 2018

Literatur x Wissenschaft: Transplantationen der Literatur. Prof. Irmela Krüger-Fürhoff und Sabine Gruber im Gespräch. Lettrétage Berlin, 26. November 2018

Vielleicht. Formen literarischer Eventualität. Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien, ICI Berlin, 9. und 10. November 2018

   

Herausgeberschaft

Vítezslav Nezval: Akrobat. Hrsg. von Barbara Bausch u. Anna Luhn, übers. von Barbara Bausch u. Eva Dymáková. Leipzig: Spector Books 2019 [im Erscheinen].

Aufsätze und Berichte

„Vollkommenheit oder Fall“ [Nachwort]. In: Vítězslav Nezval: Akrobat. Hrsg. von Barbara Bausch u. Anna Luhn, übers. von Barbara Bausch u. Eva Dymáková. Leipzig: Spector Books 2019 [im Erscheinen]. Mit Anna Luhn.

„Prosa – Zur Geschichte und Theorie einer vernachlässigten Kategorie der Literaturwissenschaften. Komparatistische Tagung.” In: Zeitschrift für Germanistik [erscheint im Heft 1/2019], sowie In: Germanoslavica. Zeitschrift für germano-slavische Studien [im Erscheinen]. Mit Felix Reinstadler.

„Poetik des Erinnerns. Erinnern als Motiv und Methode in Poetikvorlesungen des letzten Jahrzehnts.” In: Delhey, Yvonne / Krauss, Hannes (Hrsg.): Sinn stiften: literarische Gedächtniskonstruktionen. Essener Schriften zur Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaft Bd. 9 (2016), S. 164176.

„Literatur der Gegenwart. Zum Umgang mit Geschichte in Roman Ehrlichs Debütroman ›Das kalte Jahr‹.” In: Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Germanistik & Literatur Nr. 25 (2013), S. 1619.

Übersetzungen

Vítezslav Nezval: Akrobat. Hrsg. von Barbara Bausch u. Anna Luhn, übers. von Barbara Bausch u. Eva Dymáková. Leipzig: Spector Books 2019 [im Erscheinen].

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
GeschKultLogo
Dahlem Research School
Deutsche Forschungsgemeinschaft
logo einstein grau