Uta Seeburg (geb. Schürmann)

Die narrative Funktion des Intérieur im Europäischen Realismus

Alumna der FSGS

Geboren 1981 in Berlin; Studium der Neueren Deutschen Philologie, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft sowie Kunstgeschichte an der Technischen Universität Berlin. Tutorin am Institut für Literaturwissenschaft der TU Berlin sowie dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Lehraufträge an der TU Berlin.

Uta Schürmann war von  2009 bis 2012 an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule im Promotionsstudium „Literaturwissenschaftliche Studien – Literary Studies“ immatrikuliert, den sie mit der Dissertation Die narrative Funktion des Intérieur im Europäischen Realismus abschloss.


Born 1981 in Berlin; studied German Literature, Comparative Literature and History of Art at the Technische Universität (TU) Berlin. Student Assistant at the TU Berlin and the Max Planck Institute for the History of Science. Teaching assignments at the TU Berlin.

Has been a doctoral candidate at the Friedrich Schlegel Graduate School from 2009 to 2012, writing her dissertation The Narrative Function of the Intérieur in European Realism.


Komfortable Wüsten. Das Interieur in der Literatur des europäischen Realismus des 19. Jahrhunderts (Neuere deutsche Literatur)

Das Dissertationsprojekt fand seinen Ausgangspunkt in der kulturhistorischen Bedeutung des Interieurs im 19. Jahrhundert, welche auf drei zentralen Punkten basiert: Das Interieur ist der bürgerliche Rückzugsraum zur Selbstreflexion, es ist ein Archiv der spurenbehafteten Dinge, und es ist eine materiale Utopie, in der die Realien für eine Zeit- und Raumenthebung sorgen. Die hier vertretene Leitthese lautet, dass die Merkmale, die den europäischen Realismus prägen – die Auseinandersetzung mit dem Gegenständlichen, die Entdeckung der narrativen Kraft des Details und der Spur, die Suche nach einer konzentrierten, sich gerade in den Oberflächen und Dingen abzeichnenden Wirklichkeit – Folgen dieser kulturhistorischen Aufwertung des Interieurs sind.

Da die Privatisierung des Innenraums besonders ein Symptom der zunehmenden Urbanisierung im 19. Jahrhundert ist, konzentrierte das Projekt sich auf die literarischen Strömungen der drei großen europäischen Metropolen Paris, London und Berlin und damit auf ein Konglomerat verschiedener Autoren, die in einem Zusammenhang mit realistischen Strömungen stehen, wie zum Beispiel Fontane, Heyse, Raabe, Balzac, Hugo, Flaubert, Maupassant, Stendhal, Zola, Poe, Dickens, Thackeray, Trollope und James, aber auch Gautier, Huysmans und Wilde. Die fiktionalen Räume dieser Autoren erzählen selbst, sie konstituieren sich in den erdachten und beschriebenen Objekten; deshalb sind es vor allem die „sprechenden Dinge“ (Daston) – oder die ‚sprechenden Räume’ – die eigenständig neben den Figuren bestehen und eine narrative Strategie der Spurenentzifferung initiieren.


My PhD project is based on three central aspects of the 19th century intérieur: The intérieur isthe bourgeois space of self-reflection, it is an archive of objects that bear traces, and it is a material utopia where the presence of objects produces a loss of time and space. My thesis is that the main characteristics of European Realism – its concern with objects, its discovery of the narrative power of details and traces, and its search for truth on the surface of things – emerge from these new interpretations of the intérieur.

Since the transformation of the interior into a private space is a symptom of urbanisation, the project focuses on literary texts from the three European metropolises: Paris, London and Berlin. Key authors include: Fontane, Heyse, Raabe; Balzac, Hugo, Flaubert, Maupassant, Stendhal, Zola; Poe, Dickens, Thackeray, Trollope and James. Representatives of aestheticism such as Gautier, Huysmans and Wilde will also play a role. The fictionalintérieurs of these authors narrate of their own accord, they are created through objects which are both conceived and described, and therefore these “talking things” (Daston), in this case ‘talking spaces’, confront us as self-contained ‘characters’, initiating thereby a narrative strategy of decoding traces.


  • Der ›Fontanesche Treibhauseffekt‹. Temperaturen, Emotionstheorien und Wirkungen in L’Adultera, in: Fontane-Blätter 83 (2007), S. 53-66.
  • Tickende Gehäuseuhr, gefährliches Sofa. Das Interieur in Fontanes Romanen, in: Fontane-Blätter 85 (2008), S. 115-131.
  • Mathematik und Hysterie. Die zwei Modelle der Kriminalerzählung: E.A. Poe und E.T.A. Hoffmann, in: Weimarer Beiträge 56, 2 (2010), S. 284-296.
  • Dingwelten. Das Entziffern narrativer Spuren in Fontanes Prosawerk im Kontext zeitgenössischer Kriminalistik, in: Anne-Kathrin Reulecke / Stephan Braese (Hg.): Realien des Realismus. Wissenschaft – Technik – Medien in Theodor Fontanes Erzählprosa, Berlin: Diaphanes 2010, S. 182-200.
  • Stumme Enigmen. Mehrdeutige Spuren und falsche Lösungen am fiktionalen Tatort, in: Variations 18 (2010), S. 127-139.
  • Die Konstruktion des Zufalls, in: KulturPoetik 11, 1 (2011), S. 47-60.
  • Mrs. Davis geht ins Museum. Tourismuskritik und die Musealisierung der Städte in Charles Dickens’ Pictures from Italy, in: Joseph Imorde / Erik Wegerhoff (Hg.): Dreckige Laken. Zur Kehrseite der ›Grand Tour‹, Berlin: Wagenbach 2012, 48-67.
  • »Telltale Traces«. Die erzählerische Kraft der Spur, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift. Beihefte. (in Vorbereitung; Tagungsband der Konferenz »Sur les traces de la trace«, Paris 2009)
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