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Aktuelle Veranstaltungen

Seminare und Colloquien im Wintersemester 2021/22

Seminar: Eine (temporal) community, die sich nicht verwirklicht (Bereich: Literatur und Wissen)
Leitung:
Dr. Simon Godart und Elena Stingl M.A.
Zeit: Donnerstags, 14:0016:00 Uhr
Ort: JK 33/121
Das Seminar findet in deutscher Sprache statt.

Jean-Luc Nancy entwirft in einer Sammlung von fünf Aufsätzen, die unter dem Titel La communauté désœuvrée 2004 erschienen, ein Denken von Sozialität, das gängige Diskurssetzungen – Volk oder Nation, Klasse oder Gesellschaft –, verabschieden soll. Im Zuge beherrschender Debatten um den Zerfall der Sowjetunion, in denen das historische Ende des Realsozialismus gleichsam zum ‚Ende der Geschichte‘ erklärt wurde – und damit auch alternativen Modellen des Politischen eine Art ideengeschichtlicher Totenschein ausgestellt wurde –, will Nancy soziale Interaktion anhand seines hier entwickelten Begriffes von communauté neu bestimmen. Damit schlägt er ein Verständnis von ‚community‘ vor, das er in engem Austausch mit Maurice Blanchots Denken über literarische Räume als Orte der Kollektivbildung entwirft. Vor allem der Rekurs auf Georges Batailles philosophische und soziologische Reflexionen über die Möglichkeit von Gemeinschaftsbildung jenseits völkischer Ideologie ist für Nancys Entwurf stichwortgebend. Zentral ist dabei die Annahme, dass die ‚werklose‘/ unverwirklichte Gemeinschaft ein soziales Beschreibungsmodell ohne Berufung auf feste Identitäts- oder Wertvorstellungen (ohne „œuvre“) ermögliche und deren historisch-politische Identifikation so plural und unabgeschlossen gedacht werden könne.

Das Seminar widmet sich den äußerst anspruchsvollen und voraussetzungsreichen Texten in Form von ‚close readings‘ und Diskussionen über die Referenzen der Idee ‚werkloser‘ Gemeinschaften (neben Blanchot und Bataille etwa auch Heidegger und Marx). Dabei wird es vor allem darum gehen, den reichen Text als Knotenpunkt einer ganzen Gruppe von Intertexten, Diskursen und sozialgeschichtlichen Narrativen – so gewissermaßen selbst als temporal community – zu begreifen und mit Gegenmodellen in Reibung zu bringen. Nicht zuletzt gilt zu fragen, wie tragfähig das Konzept auch heute noch ist – als Modell für soziale, politische, historische und literarische Gruppierungen und Entwicklungen. Eine Frage, die sich besonders dringend in einer Zeit stellt, in der die Eindämmung einer globalen Pandemie erprobte Praktiken und gewohnte Orte für kollektiven Austausch verstellt hat. Der ‚Lockdown‘ ebenso wie die Verlagerung der Kommunikation ins Digitale haben das Selbstverständnis von Kollektiven teils radikal in Frage gestellt, teils neu geordnet und verschoben.

Vorkenntnisse (von Nancy oder den Bezugstexten) werden nicht vorausgesetzt, ein Überblick wird von der Seminarleitung anfänglich geleistet und von der Gruppe gemeinsam diversifiziert und ausgearbeitet.

Zur Anschaffung wird empfohlen: Jean-Luc Nancy: Von einer Gemeinschaft, die sich nicht verwirklicht. Übers. Esther von der Osten. Wien / Berlin: Verlag Turia + Kant, 2018. Ein Scan des französischen Originaltextes sowie weiterer Referenztexte werden von den Dozent*innen zur Verfügung gestellt.

Für die Planung bitten wir Interessierte um Anmeldung unter simon.godart@fu-berlin.de.

Link zu der Veranstaltung im Vorlesungsverzeichnis.

Seminar: Anfänge und Enden erzählen. Gründungsgeschichten, Untergangsszenarien und Entwicklungsmodelle in Literatur und Wissenschaft (Bereich: Literatur als Textpraxis)
Leitung: Prof. Dr. Irmela Krüger-Fürhoff
Zeit: Montags, 14:00–16:00 Uhr
Ort: JK 29/124
Das Seminar findet in deutscher Sprache statt. 

„Ein Ganzes ist, was Anfang, Mitte und Ende hat“, so Aristoteles in seiner „Poetik“ über erzählende Dichtung. Auf welche Weise ein Anfang durch „emplotment“ (Hayden White) mit einem Ende verknüpft wird, folgt Genreerwartungen, aber auch religiösen oder philosophischen Auffassungen sowie politischen und wissenschaftlichen Überzeugungen; dies lässt sich z.B. an Entwicklungsgeschichten (Bildungsroman) oder Degenerationsnarrativen (Naturalismus) erkennen. Im Seminar untersuchen wir, auf welche Weise (und im Dialog mit welchen Kontexten und Diskursen) ausgewählte literarische Texte von Anfängen und Enden erzählen. Mögliche Aspekte sind Schöpfungs-, Untergangs- und Rettungsgeschichten; nachträgliche Entwürfe von Ursprüngen; Modelle von Entwicklung und Evolution; Figuren des Labyrinthischen und Rückwärtserzählungen. Das Seminar richtet sich an Teilnehmende mit Spaß an ästhetischen, philosophischen und (literatur-)theoretischen Fragen; eigene Themenvorschläge sind willkommen.

Für die Planung bitte ich Interessierte um Anmeldung unter i.krueger-fuerhoff@fu-berlin.de.

Link zu der Veranstaltung im Vorlesungsverzeichnis.


Forschungskolloquium: Forschungscolloquium für das 1. Studienjahr
Leitung:
Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm und Prof. Dr. Anita Traninger
Zeit:
Dienstags, 14:0016:00 Uhr
Ort:
JK 33/121
Das Colloquium findet in deutscher und englischer Sprache statt.
Forschungskolloquium: Forschungscolloquium für das 2. Studienjahr
Leitung:
Prof. Dr. Irmela Krüger-Fürhoff und Prof. Dr. Sabine Schülting
Zeit: Dienstags, 10:0012:00 Uhr
Ort: JK 33/121
Das Colloquium findet in deutscher und englischer Sprache statt.
Forschungskolloquium: Forschungscolloquium für das 3. Studienjahr
Leitung:
Prof. Dr. Anne Eusterschulte und Prof. Dr. Andrew James Johnston
Zeit: Dienstags, 16:0018:00 Uhr
Ort: JK 33/121
Das Colloquium findet in deutscher und englischer Sprache statt.

Mittagsforum & Wege in den Beruf

Zusätzlich bietet die FSGS im Wintersemester ein Mittagsforum an. Das Mittagsforum ist ein Format, das assoziierten PostDocs und Projekten sowie Gästen Gelegenheit gibt, sich den Mitgliedern der Schule mit ihren Forschungsprojekten und -interessen vorzustellen. Im Wintersemester 2021/22 wird das klassische Mittagsforum durch die Veranstaltungsreihe „Wege in den Beruf“ ergänzt, in dem Alumni der Graduiertenschule ihren Werdegang vorstellen. Gäste sind herzlich eingeladen.


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