Körperpolitiken und Aufklärungsmodi in deutschsprachigen feministischen Comics

16.07.2020 | 16:15 - 17:45
Nina Schmidt

Nina Schmidt
Bildquelle: Vivien Merk

Nina Schmidt (Germanistik, Berlin) | Teil der Ringvorlesung  „Comic – Kunst – Körper. Konstruktion und Subversion von Körperbildern im Comic“ im Rahmen des Programms „Offener Hörsaal“ der Freien Universität Berlin

Der Vortrag bietet Einblicke in den stetig wachsenden Bereich explizit feministisch-aktivistischer Publikationen auf dem deutschsprachigen Comicsmarkt – thematisiert werden Comics der Mitglieder des Spring-Künstlerinnenkollektivs wie auch einer jüngeren Riege von Zeichner*innen, zu der Lisa Frühbeis, Katja Klengel, Alicia Läuger, Trouble X und Julia Zejn gehören, ebenso wie ausgewählte Übersetzungen. In einer Zeit, in der sich gesellschaftlich ein wieder wachsendes Interesse an feministischen Thematiken und der Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung und Gleichstellung feststellen lässt, bieten Comics niedrigschwelligen Zugang zu Historischem (Beispiele: Schrupp und Patus Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext, 2018; Breen und Jordahls Rebellische Frauen – Women in Battle, 2019). Darüber hinaus unterstelle ich dem Medium einen besonderen Zugang zur menschlichen Biologie und eigene Möglichkeiten, sich Themen wie Sexualität, Sexismus und Gender zu nähern (siehe auf je sehr unterschiedliche Art und Weise: Trouble X, Strömquist, Läuger). ‚Aufgeklärt‘ wird in den Comics der Gegenwart also in Bezug auf Gesellschafts- und Bewegungsgeschichte wie auch in Bezug auf den menschlichen (häufig weiblichen) Körper, und das oft von dezidiert subjektiver Warte aus. Wie genau die diversen Comics das tun und warum das Medium Comic (neben der Literatur und dem Film, und anders als diese) so geeignet ist, diese Thematiken zu bearbeiten, soll in der Vorlesung erörtert werden.

Dr. Nina Schmidt ist Germanistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind angesiedelt in den Bereichen der Gegenwartsliteratur und des Comics, des Life Writing, der Literary Disability Studies, Graphic Medicine und den Gender Studies. Sie ist im Rahmen des von der Einstein Stiftung Berlin unterstützten Projektes „Graphic Medicine and Literary Pathographies: The Aesthetics and Politics of Illness Narratives in Contemporary Comics and Literature“ angestellt. Von 2012-2016 hat sie an der University of Sheffield in Nordengland mit einer Arbeit zu autobiographischem Schreiben über Krankheit und Behinderung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur promoviert. Diese ist inzwischen in leicht überarbeiteter und aktualisierter Form unter dem Titel The Wounded Self: Writing Illness in Twenty-First-Century German Literature (Rochester, NY: Camden House, 2018) als Buch erschienen.

Zeit & Ort

16.07.2020 | 16:15 - 17:45

Freie Universität Berlin, „Rostlaube“, Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 1b, 14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

pathographics@fsgs.fu-berlin.de