Im Aus der Kritischen Theorie? Faschismusanalysen von Bataille & Sohn-Rethel

Im/Aus Plakat
Datum: Mittwoch, 5. Juni 2019
Ort: JK 31/121
Organisation: Elena Stingl, Daniel Burnfin und Noah Zeldin
Anmeldung: bis 15.05.2019 an bataille.sohnrethel@gmail.com

Gegenstand des Workshops sind Georges Batailles und Alfred Sohn-Rethels Erklärungsversuche für die Machtausweitung faschistischer Bewegungen in Europa vor dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Analysen fallen inhaltlich wie methodisch unterschiedlich aus, sind jedoch verbunden durch die Stellung der Frankfurter Schule zu ihren Arbeiten: Sowohl Sohn-Rethel, als auch Bataille waren in den Zwischenkriegsjahren Kandidaten zur Aufnahme als Mitarbeiter im Institut für Sozialforschung, wurden dafür aber abgelehnt und in der Folge (insbesondere durch Adorno, Horkheimer und Habermas) mit Vorbehalten rezipiert (Bataille) oder weitestgehend ignoriert (Sohn-Rethel). So blieben beide an der Peripherie der Kritischen Theorie.

Bataille konzentriert sich in seiner Studie zur psychologischen Struktur des Faschismus auf den Anteil affektiver Kräfte in faschistischer Massenmobilisierung. Die Protagonisten der Frankfurter Schule schätzten diese Perspektive als gefährliche Öffnung zum ‚Irrationalismus’ ein. Klasse und Ökonomie bilden den Ausgangspunkt für die Faschismusanalyse von Alfred Sohn-Rethel. Seine materialistische Strenge empfanden sie als unverträglich mit ihren eigenen kulturpolitisch orientierten Studien. Ziel des Workshops ist es, diese ‚peripheren’ Studien zu Entstehung und Charakteristik des Faschismus in den Blick zu rücken und der Frage nachzugehen, warum sie Ausschluss oder Ablehnung provozierten.

Der Workshop ist interdisziplinär angelegt und richtet sich an Promovierende und Interessierte geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer. In Anschluss an die Diskussion von Batailles und Sohn-Rethels Texten soll auch geprüft werden, ob und inwiefern die historischen Analysen zur Untersuchung gegenwärtiger politischer Umbrüche hilfreich sein können. Ein Reader wird rechtzeitig an die TeilnehmerInnen verschickt.

Referenten:

Dr. Marcus Coelen (Columbia University/LMU München, Mitherausgeber der Reihe Neue Subjektile bei Turia + Kant)

Dr. Oliver Schlaudt (Uni Heidelberg, Mitherausgeber von Sohn-Rethels Werk bei ça ira)


Programm

09:30–09:45
 Uhr             Begrüßung


Teil I – Bataille. Affektpolitik und Sozialpsychologie

09:45–10:15 Uhr             Einführung (Elena Stingl)

10:15–11:00 Uhr             Vortrag von Marcus Coelen + Diskussion

11:00–11:30 Uhr              Kaffeepause

11:30–13:00 Uhr             Diskussion der Reader-Texte 1

13:00–14:00 Uhr              Mittagspause
 

Teil II – Sohn-Rethel. Ökonomie und Klasse

14:00–14:30 Uhr             Einführung (Daniel Burnfin & Noah Zeldin)

14:30–15:15 Uhr             Vortrag von Oliver Schlaudt und Diskussion

15:15–15:30 Uhr              Kaffeepause

15:30–16:15 Uhr             Diskussion der Reader-Texte 2

16:15–16:45 Uhr             Abschlussdiskussion

16:45–17:00 Uhr              Kaffeepause
 

Teil III Bataille/Sohn-Rethel 2.0

17:00–18:00 Uhr              Bataille/Sohn-Rethel 2.0: Gegenwärtige politische Umbrüche

18:00 Uhr                         Abendessen