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Der Comic auf dem Weg zur legitimen Kunst
Sfb 626: Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste
Teilprojekt C10: Intermediale Grenzüberschreitungen zwischen 'hoher' und 'niederer' Kunst. Zur Soziologie ästhetischer Erfahrung
Unterprojekt 2:
Der Comic auf dem Weg zur legitimen Kunst
Bearbeiter:
- PD Dr. Thomas Becker
Projektbeschreibung:
Obwohl der Comic von Beginn des 20. Jahrhunderts an wiederholt als Anreiz heterodoxer Grenzüberschreitungen avantgardistischer Künstler in autonomeren Kunstfeldern gedient hatte (Picasso, Miró, Resnais, Fellini etc.), erscheint er bis heute 'illegitim', da mit ihm in der Schule nur wenig kulturelles Kapital für eine 'legitime', institutionell anerkannte Karriere errungen werden kann. Seit den 1960er Jahren aber entsteht ein völlig neues Phänomen der Autonomisierung, das mit der Herausbildung eines eigenen, internationalen Feldes der Comicproduktion einhergeht und eine eigenständige Legitimität beansprucht. Ein zentrales Indiz dafür ist – neben der Einrichtung von Museen und Ausstellungen – das gleichzeitige Auftreten neuer, mit einem Kunstanspruch produzierender Autoren und spezialisierter Kritiker, die mit hohem kulturellem (künstlerischem sowie literarischem) Kapital ausgestattet sind.
Die somit innerhalb der 'illegitimen' Massenproduktion entstehende Autonomie lässt auf neue Formen ästhetischer Erfahrung schließen, da die Avantgarde des Autorencomics nicht etwa auf die Adaptation 'illegitimer' Kunstformen zurückführbar ist; vielmehr resultierte die (eine Autonomisierung des Comicfeldes begünstigende) Heterodoxie der Autorencomics aus der Hinwendung zu 'legitimen' Formen ästhetischer Erfahrung. Aufgrund dieser neuartigen symbolischen Grenzüberschreitung wäre der Autorencomic auch ein Beispiel dafür, dass die soziale Grenze zwischen eingeschränktem Markt und Massenmarkt nicht nur in Abgrenzung von der Massenproduktion, sondern auch in ihr selbst errichtet werden kann.
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