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Jean Genet und Deutschland – Symposium zum 100. Geburtstag
Berlin, 10.–12. Dezember 2010
Jean Genet hatte zu Deutschland eine Beziehung, die selbst für seine Verhältnisse besonders kurios, kontrovers und problematisch war. Als Landstreicher durchquerte er das 'Dritte Reich'. In seinen Romanen ist die Rede von der Erotik der SS. Als politischer Schriftsteller sympathisierte er mit der RAF. Als Reporter, der aus dem Palästinenserlager Chatila berichtete, setzte er sich dem Vorwurf des Antisemitismus aus. In der Bundesrepublik wurden seine Schriften zensiert, aber ein Prozeß um sie veränderte die Rechtsprechung. Als Theaterautor provozierte er Skandale. Und auch die Schwulenbewegung hatte zu ihm kein einfaches Verhältnis. Genets Projekt einer radikalen Dissidenz und seine entsprechende Poetik lassen sich in seiner Auseinandersetzung mit Deutschland besonders deutlich begreifen.
Zu seinem 100. Geburtstag (19. Dezember 1910) fand an der Freien Universität Berlin vom 10. bis 12. Dezember 2010 ein Symposium statt, welches das Werk und die Wirkung Jean Genets interdisziplinär aus einer deutschen Perspektive beleuchtete. Neben Podiumsgesprächen und Filmvorführungen (Genets "Un chant d'amour",Fassbinders "Querelle") wurden Vorträge zu folgenden Themen gehalten: Faszinierender Faschismus, Alterität in der Diktatur, 1968, linker Terrorismus, Dissidenz in der Schwulenbewegung, Palästina und Israel-Kritik, Theaterskandale, Zensur in der BRD, Genet in der DDR, Jean Genet und die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.
e-mail: genet100@fu-berlin.de.
Organisatoren:
Matthias Lorenz, Universität Bielefeld (matthias.lorenz@uni-bielefeld.de)
Oliver Lubrich, Freie Universität Berlin (lubrich@zedat.fu-berlin.de)
Programm:
Weitere Informationen und das Programm der Tagung finden Sie hier