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Wissenskanonisierung und –überlieferung in der chinesischen Gesellschaft vom 15. bis 17. Jahrhundert

Beginn: 1. September 2008
Leitung: Prof. Dr. Wenchao Li
Mitarbeiter: Dr. Yihong Hu

 

Die Aufgabe des Projektes ist, durch den Vergleich mit der chinesischen Wissenschaftsgeschichte den christlich-europäischem Kontext kritisch daraufhin zu hinterfragen, ob die dort funktionierenden Strukturen des Wissenswandels einen allgemeinen Charakter haben und ob die Wissensgenerierung und Autorisierung in ihren Verlaufsstrukturen Mustern folgen, die sich bei genauerem Hinsehen als kulturübergreifend erweisen könnten.

Forschungsgegenstand sollen neben dem Kompendium des Neokonfuzianismus (Chinesisch: Xingli Daquan) aus begriffsgeschichtlichen Gründen auch die „Gesammelten Kommentare zu den Vier Büchern“ (Sishu Jizhu) von Zhu Xi (1130-1200) erweitert werden, um so das Kompendium im Zusammenhang des Song-Ming-Konfuzianismus als ein Ganzes zu betrachten. Dadurch soll speziell auf die begriffsgeschichtlichen Fragestellungen Wert gelegt werden. Die Besonderheit oder „Neuheit“ des Song-Konfuzianismus besteht wesentlich in der Umdeutung des frühkonfuzianischen Begriffs „Ren“ (Menschlichkeit) zu dem Begriff „Li“, den man mit „Eigentümlichkeit des Kosmos“ übersetzen könnte. Diese Umdeutung diente dazu, mit den Mitteln der traditionellen chinesischen Philosophie eine neue Metaphysik zu schaffen, die einerseits eine reine, das Empirische ganz und gar übersteigende Philosophie anstrebte und zugleich ein praxisbezogenes Arsenal lebensweltlicher Erfahrungen und Dogmen beinhaltete.

In diesem Sinne können die im Jahr 1415 unter kaiserliche Anordnung zusammengestellten  Kompendien der Ming Dynastie als eine quasi enzyklopädische Sammlung und Aufarbeitung der Lehren des Song-Konfuzianismus betrachtet werden. So ist es sinnvoll, diese kanonisierte Schrift mit den Kompendien zu vergleichen und den Wandel der Wissensstruktur in seiner historischen Dimension auszuleuchten. Der Song-Ming-Konfuzianismus kann als topische Wissenschaft in eine Parallele zur christlich-europäischen Frühneuzeit gestellt werden; aus unserer Sicht ist er für eine vergleichende Studie zur abendländischen und chinesischen Wissenschaftsgeschichte  am ergiebigsten.

In diesem Zusammenhang sollen die zentralen Topoi des Konfuzianismus in Hinblick auf die  Wissensgenerierung ausgelotet werden, um die begriffgeschichtliche Entwicklung des Konfuzianismus als Historisierung der Topoi zu begründen. Dies betrifft hauptsächlich den  Wandel der Wissenszuordnung und -klassifizierung in den kaiserlichen Kompendien. Zugleich sollte ein Vergleich zum europäischen Zusammenhang hergestellt werden, um herauszufinden, was in der chinesischen Wissenschaftstradition als „Wissen“ konstruiert bzw. akzeptiert wird. Dieser Vergleich soll nicht eine vermeintliche chinesische Weisheitslehre oder eine Art von chinesischem Katechismus aufstellen, sondern den Versuch unternehmen, mit Hilfe eines Ortswechsels die gemeinsamen Wissenskategorien aus einem anderen Terrain zu eruieren. Pascals Spruch „Moses oder China“ wird nicht als Alternative gelesen, sondern als  gegenseitige Erhellung und „Erleuchtung“.

Die Forschungsergebnisse sollen zum einen in einer längeren Abhandlung und zum anderen in einer Monographie präsentiert werden. In der Abhandlung soll das klassische Wissensverständnis einschließlich der Wissensüberlieferung und -generierung dargestellt werden. Die Monographie wird dem Kompendium gewidmet sein und es in Hinsicht auf die Institutionalisierung des Wissens, der Wissensklassifizierung, der Deutungsmethode und der Diskussionen darüber in den europäischen Publikationen erörtern.

Ein detaillierter Zeitplan ist noch in Bearbeitung; grob geplant sollen im ersten Jahr folgende Teile des Projekts bearbeitet werden:

Im zweiten Jahr soll das Kompendium analysiert werden, in Hinblick auf die Wissensklassifizierung, Deutungsmöglichkeiten, Deutungsmethoden und Diskussionen in den europäischen Publikationen.


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Stand: 14.10.2008

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