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Ankündigung zum Workshop „Mnemonik-Traktate von der Antike bis zur Neuzeit“
„Wer sich etwas merken will, der muß über Örter, Bilder, deren Ordnung, Aufstellung und Verbindung verfügen. Über Örter nämlich, wie man mit dem, was man sich merken will, wie Papier beschreibt.“
Die Praxis, die Gregor Reisch (1470-1525) in seiner Margarita philosophica von 1503 beschreibt, leitet dazu an, die menschliche Gedächtnisleistung systematisch zu verbessern. In einer Zeit, in der die universale Distribution von Wissen in gedruckter, geschweige digitaler Weise nicht einmal im Ansatz so omnipräsent war, wie man das heutzutage gewohnt ist, kam der individuellen Gedächtnis- und Erinnerungsleistung kategoriale Bedeutung zu. An wissenschaftlichen sowie öffentlichen Diskursen konnte nur teilnehmen, wer Strategien entwickelte, das ihn betreffende Wissen jederzeit verfügbar zu halten. Es nimmt daher kaum Wunder, dass sich jene Strategien erstmals in den antiken Rhetoriken (ad Herennium, Cicero und Quintilian) nachweisen lassen, wurden diese Lehrbücher doch als Leitfaden für die Ausbildung von Rednern (oratores) eingesetzt und bildeten das Mittelalter und die Frühe Neuzeit hindurch ein stetes Fundament für die als Gedächtniskunst (oder Ars memorativa) bekannte Kulturpraxis. Auf der Basis der antiken Texte entstanden in der Folgezeit eine Reihe unterschiedlicher Überlegungen zur Ars memorativa. Die diachrone Lektüre einer Auswahl dieser Texte ‑ etwa von Augustinus, Thomas von Aquin, Raimundus Lullus, Petrus Ramus, Johann Alsted oder auch Giordano Bruno ‑ ermöglicht ein Nachspüren unterschiedlicher Konzeptionen von Wissen und Gedächtnis innerhalb der europäischen Tradition.
Der Workshop, der von Stefan Manns und Prof. Dr. Ursula Kocher geleitet wird, soll in Form einer Lektüre ausgewählter Texte mit der Gedächtniskunst von der Antike bis zum 18. Jahrhundert vertraut machen und eine Diskussion hinsichtlich ihrer Einbindung in die kulturelle Welt und das Wissen der Frühen Neuzeit anregen. Der Workshop richtet sich sowohl an interessierte Studierende, Examenskandidatinnen und Examenskandidaten als auch an Doktorandinnen und Doktoranden aus dem Bereich der Frühen Neuzeit. Geplant ist, im Falle einer Kostenbeteiligung seitens der FU Berlin und einer Eigenbeteiligung von € 59, den Workshop vom 23. bis 25. März 2007 in Berlin-Schmöckwitz abzuhalten. Sollte der Restbetrag nicht gewährleistet werden können, wird der Workshop kostenneutral an der FU Berlin stattfinden. Solche und andere organisatorische Notwendigkeiten legen eine Vorbesprechung des Workshops bereits am 15. Februar 2007 nahe. Dort ist dann auch Gelegenheit, sich einer der angebotenen Sektionen zuzuordnen.
Fragen und Anmeldung richten Sie bitte per E-Mail direkt an Stefan Manns.
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