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Forschungsinitiative
"Algorithmen und Muster in Sprache und anderen Systemen"


Die ursprüngliche Idee der Forschungsinitiative ging hauptsächlich von der gegenwärtigen Diskussion in der Linguistik zwischen der von Noam Chomsky begründeten Generativen Grammatik und der Konstruktionsgrammatik mit ihren verschiedenen Vertretern (z.B. Goldberg, 1995) aus. Hierbei konnte ein Spezialfall einer weitaus abstrakteren wissenschaftstheoretischen Diskussion identifiziert werden, der sich in dem Begriffspaar „Algorithmus“ vs. „Muster“ manifestiert. Diese beiden Begriffe wurden im Hinblick auf die in der Forschungsinitiative zu verwendende Arbeitsdefinition aufgearbeitet. Sie erlauben die Beschäftigung mit einer Vielzahl von linguistischen Studien aus den Gebieten der Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik  sowie auch aus Gebieten außerhalb der Linguistik, wie etwa der Biologie, der Musik, der Literatur, der Kunst und der Ästhetik.

Ziel der Forschungsinitiative

Hauptziel der Forschungsinitiative ist die Behandlung der Frage, welche Prozesse bei der mentalen Verarbeitung von menschlicher Sprache algorithmenbasiert sind und welche auf eher fest gefügten Mustern beruhen. Bei einem Algorithmus handelt es sich um eine detallierte Verarbeitungsvorschrift, die aus einer Folge von Anweisungen besteht, mit der eine Vielzahl gleichartiger Aufgaben gelöst werden kann. Ein Algorithmus gibt an, wie ein beliebiger Input anhand einer solchen Verarbeitungsvorschrift schrittweise in einen Output umgewandelt werden kann. Mit Algorithmen werden hier regelgetriebene, kompositionell arbeitende Systeme bezeichnet (z.B. auf rekursiven Regeln basierende Produktions­systeme). Diese werden kontrastiert mit musterbasierten Systemen  (wobei Muster im Sinne von „Konstruktionen“ verstanden wird), die mit größeren, nicht-inkrementell entstandenen Einheiten arbeiten. Ein Muster  wird als eine Art „Modell“ oder „ Vorlage“ verstanden, nach der etwas (Neues) hergestellt wird, das mehr oder weniger von der gleichen Klasse ist wie das zugrundeliegende Muster.

Die Forschungsinitiative mit linguistischem Kern versucht also, die Beschaffenheit sprachlicher Strukturen auf verschiedenen Systemebenen (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik) zu ergründen, einschließlich deren Vergleichs  mit Strukturen in nicht-(human)sprachlichen Systemen (Biologie, Musik, Literatur, Kunst, Ästhetik). Diese in der Linguistik höchst relevante Frage­stellung wird zurzeit weder in Deutschland noch international in größerem Umfang verfolgt. Stattdessen versuchen die beiden wichtigsten konkurrierenden Theorien (die algorithmenbasierte Generative Grammatik und die musterbasierte Konstruktionsgrammatik), ihren jeweiligen Standpunkt weitestgehend isoliert voneinander nachzuweisen. Durch die Einbeziehung anderer geisteswissenschaftlicher sowie naturwissenschaftlicher Bereiche wird die Forschungsinitiative interdisziplinär und fachbereichsübergreifend ausgerichtet sein.

 

Koordination: Franziska Werner

Letzte Aktualisierung: 17.02.2013

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