Arbeitsgebiete

Arbeitsgebiete: Methodologie und Literaturtheorie

Literatur als Textpraxis

Im Zentrum dieses grundlegenden Arbeitsgebietes steht die vergleichende Analyse und Weiterentwicklung von literaturtheoretischen Ansätzen und Interpretationsverfahren sowie die historische Rekonstruktion und systematische Bestimmung zentraler Begriffe literaturwissenschaftlicher Arbeit. Nach Jahrzehnten intensiver Theoriebildung und engagierten Methodenstreits ist die aktuelle Situation der Literaturwissenschaften durch einen pragmatischen Methodenpluralismus geprägt, der vielfältige Mischformen zulässt. In den Seminaren werden aktuelle Theorieangebote auf ihre Vereinbarkeit, ihre impliziten Prämissen, ihre Leistungsfähigkeit, die Reichweite ihrer Deutungsangebote und ihre Leerstellen hin geprüft. Einige Dissertationen adressieren diese grundlegende Ebene direkt und prüfen das interpretative Potential oder die Tragfähigkeit der begrifflichen Ausstattung bestimmter theoretischer Ansätze. Andere Projekte befragen die Darstellungsverfahren und philosophischen Prämissen neuerer Literaturtheorien, versuchen, alternative Konzepte zu entwickeln oder erproben an literarischen Fallbeispielen bestimmte Theorieoptionen.

Die Intertextualitätsforschung, ein weiterer Schwerpunkt dieses Arbeitsgebiets – verstanden als dezidiert antiteleologisches und nichtintentionales Spiel textueller Bezugsmöglichkeiten, – lässt die Offenheit literarischer Produktionen in besonderem Maße zu Tage treten. Untersucht werden die Verwendung von Genrekonventionen innerhalb von Texten, Formen der Parodie oder Satire, die Restrukturierung diskursiver Muster, die Dekonstruktion oder Verfremdung von Modellen und das Repertoire des Metatextes, das Formen literarischer Reflexion ermöglicht. Intertextualitätsforschung befördert den Dialog der Nationalliteraturen wie den zwischen Kultur- und Literaturwissenschaften. Sie rückt das dynamische Verhältnis zwischen Texten und anderen Medien in den Fokus, ohne die historische Perspektive außer Acht zu lassen.

Literatur als Textpraxis umfasst auch die Bereiche der Rhetorik und Ästhetik, deren transdisziplinäre und komparatistische Ausrichtung in den letzten Jahren vermehrt erforscht wird.

Literatur in transnationaler Perspektive

Dieses Arbeitsgebiet wurde 2012 neu ausgerichtet und durch eine neue Professur im Bereich der Japanologie (Dr. Elena Giannoulis) institutionell erweitert. Damit wird der bisherige Schwerpunkt in den Postcolonial Studies, vertreten durch die anglistische Professur (Dr. Cordula Lemke), durch eine weitere außereuropäische Perspektive ergänzt. In diesem Arbeitsgebiet findet die über den Bereich der europäischen Literaturen hinausgehende komparatistische Arbeit statt. Fokussiert werden Methoden und Theorien des Transkulturalismus, der Übersetzung und einer ‚Globalphilologie‘, deren Grundlagen und Herausforderungen noch zu erforschen sind. Heute bildet dieser Bereich ein theoretisches Zentrum der Graduiertenschule, in dem sich die komparatistischen und transnationalen Interessen aller Mitglieder begegnen.

Die komparatistische Ausrichtung der Graduiertenschule erfordert die Untersuchung literarischer Texte in ihren kulturellen Kontexten wie auch ihrer jeweiligen inter- und transkulturellen Verbindungen. Die Literaturwissenschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Verhandlung kultureller Ambivalenzen sowie zur Untersuchung hybrider Phänomene und reflektiert Unterschiede der Wissenschaftstraditionen inner- wie außerhalb Europas. Damit geht eine Problematisierung des hegemonialen, eurozentrischen westlichen Denkens einher sowie eine Kritik von Kanonisierungsprozessen.

Ein aus literaturwissenschaftlicher Perspektive zentraler Aspekt kultureller Verhandlungen ist die Übersetzung. Die Translation Studies haben das Konzept von Übersetzung als Vermittlung authentischer Bedeutung in Frage gestellt: Translationen beinhalten Übertragungen von kulturellen Kontexten, der Übersetzer ist Vermittler zwischen den Kulturen und muss Fragen nach Äquivalenz, Authentizität und Intentionalität ebenso bedenken wie Machtungleichgewichte. Zwar geht man heute von einer Enthierarchisierung der literarischen Produktion aus, doch das komplexe Zusammenspiel von Machtverhältnissen, die alte Zuschreibungen und neue Identitäten verhandeln, bleibt ein aktuelles und brisantes Thema.

Überregionale Sichtbarkeit gewinnt der transnationale komparatistische Ansatz der FSGS durch die Schriftenreihe Weltliteraturen / World Literatures. Bislang sind in der bei De Gruyter veröffentlichten Reihe 15 Titel erschienen. Der erste Band entfaltet programmatisch mögliche Zugänge zum Thema Weltliteraturen.

Die Graduiertenschule beantragt gezielt einschlägige Projekte und kooperiert mit literaturwissenschaftlichen Forschungsvorhaben, die dieses Arbeitsgebiet stärken: Das Projekt zum Einstein Visiting Fellowship Transpacifica. Mitteleuropäische Observationen einer Neuen Mitte (1900–1945) analysiert die Herausforderungen einer asiatisch-amerikanischen Moderne, die den exotistischen und orientalistischen Deutungen ebenso entwächst wie den Kolonisierungsversuchen europäischer Mächte. Die internationalen Fellows des assoziierten Projekts Travelling Traditions: Comparative Perspectives on Near Eastern Literatures entwickeln transkulturelle Fragestellungen aus der Perspektive des Nahen Ostens. Dr. Cordula Lemke (Professur FSGS) hat mit North-South Literary and Cultural Interactions einen vom DAAD geförderten trinationalen Promotionsstudiengang mit der Kenyatta University (Kenia) und der University of Cape Town (Südafrika) aufgebaut. Diese Projekte integrieren Forschende aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika in die Graduiertenschule.

Literatur und Wissen

In der Spannung zwischen Rezeption und Produktion von Wissen untersucht dieses Forschungsfeld epistemologische Funktionen der Literatur. Literatur thematisiert Gegenstände des Wissens, speichert Wissensbestände und lässt Wissen zirkulieren, sie verarbeitet und popularisiert wissenschaftliches Wissen, bezieht sich auf besondere Ordnungen des Wissens, die sich in ihr entfalten und die sie weiterführt. Da sich Literatur nicht auf einen ihr zugeordneten Wissensgegenstand oder ein definiertes Wissensgebiet beschränkt, ist das Wissen der Literatur vielmehr durch die sprachliche und gattungsbedingte Form charakterisiert: Es ist weniger ausdrücklich verfasst, es kombiniert heterogene und widersprüchliche Diskurse, es entwirft Wirklichkeitsmodelle in relativer Eigenständigkeit. Die Graduiertenschule kooperiert eng mit dem SFB Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit.

Die germanistische Professur der FSGS (Dr. Irmela Krüger-Fürhoff) wurde mit Blick auf aktuelle literaturwissenschaftliche Zugänge zu dem von vielen DoktorandInnen bearbeiteten Feld Literatur und Wissen besetzt. Die Promovierenden forschen sowohl zu Literatur im Kontext sich ausdifferenzierender Wissenskulturen als auch zu natur- und humanwissenschaftlichen Diskursen.

Literatur, (Inter-)Medialität und die Künste

Das anhaltende Interesse an der Medialität von oralen und geschriebenen „literarischen“ Praktiken sowie an deren Abhängigkeit von Kulturtechniken und Technologien spiegelt sich in den Promotionen zu diesem Arbeitsgebiet. Im Fokus stehen aktuelle oder wiederauflebende Praktiken wie die Salonkultur, Poetry Slams, Graphic Novel, Blogs und medienübergreifende Kunstformen.

Interferenzen zwischen literarischen Texten und anderen Medien oder Künsten stellen eine Subkategorie dieses Gebietes dar: Hier werden Phänomene adressiert, die in den letzten Jahren vornehmlich in der Intermedialitätsforschung untersucht wurden, etwa die Beschreibung eines Kunstwerkes in einem anderen Medium (Ekphrasis), die Heraufbeschwörung oder Imitation einer anderen Kunstform oder eines anderen Mediums etwa beim filmischen Schreiben oder in der Musikalisierung der Fiktion.

Die dritte Jahrestagung der Graduiertenschule galt dem Thema Fiktion im Vergleich der Künste und Medien. Ausdruck des medienwissenschaftlichen Schwerpunktes der Graduiertenschule waren die Besetzungen der komparatistischen (Dr. Remigius Bunia) und der romanistischen (Dr. Irina Rajewsky) Professuren sowie der germanistischen Professur (Dr. Irmela Krüger-Fürhoff) mit zu diesen Themen Forschenden.

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