"Kriegswolken über dem Pazifik": Asien-Pazifische Konflikte in Literatur, Film und Wissenschaft I

Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Berlin
Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Berlin

4. Deutsch-Asiatischer Studientag Literaturwissenschaft 


Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Freitag, 7. Dezember 2018

 

Konzeption und Organisation: Stefan Keppler-Tasaki (Tokyo), Harald Salomon (HU Berlin)

 

ABSTRACT

Kriegswolken über dem Pazifik / War Clouds in the Pacific lautet der Titel eines kanadischen Dokumentarfilms, der Ende November 1941 in die Kinos kam. Wenige Tage vor Pearl Harbor demonstrierte er die Überzeugung der Alliierten, für den Konflikt gerüstet zu sein, der dies- und jenseits des ‚Stillen Ozeans‘ seit langem angedacht und imaginiert wurde. Mit dem japanischen Überraschungsangriff auf den zentralen US-amerikanischen Marinestützpunkt und der raschen Ausbreitung des Kriegs an alle Küsten des Pazifiks wurden auch die lokalen (Selbst)Gewissheiten nachhaltig erschüttert. Ein erbitterter „Krieg ohne Gnade“ (War without Mercy, John W. Dower) entfaltete sich, dessen rassistische Aufladung der deutsch-sowjetischen Konfrontation im kontemporären Europa nicht nachstand und mit einer umfangreichen propagandistischen Sinnproduktion im Journalismus, in Comic-Strips (z.B. Terry and the Pirates) und in Filmen (z.B. Know Your Enemy: Japan) einherging.

Militärtechnologisch gab der Asiatisch-Pazifische Konflikt – unter anderem mit der Schlüsselrolle von um Flugzeugträger gruppierten Marineverbänden und mit dem ersten, bis heute einzigen Einsatz von Atomwaffen – dem Krieg neue Züge, die bis in das 21. Jahrhundert nachwirken. Momentaufnahmen der resultierenden menschlichen Erfahrung – einschließlich der Erinnerungskultur um Hiroshima und Nagasaki – prägen bis heute das globale Bild militärischer Auseinandersetzung. Nicht zuletzt bildet die systematische Instrumentalisierung der Bereitschaft zum Selbstopfer (Kamikaze) nach wie vor einen Referenzpunkt für politische Bewegungen, für einflussreiche Forschungsarbeiten wie zu den Kamikaze-Tagebüchern und -Briefen junger japanischer Soldaten (Kamikaze Diaries, Emiko Ohnuki-Tierney) und für eindrucksvolle Spielfilme wie Flags of Our Fathers und Letters from Iwo Jima (beide 2006) unter der Regie von Clint Eastwood.

Bereits mit dem Aufziehen der Kriegswolken im ‚transpazifischen Dreieck‘ setzten weltweit und gerade auch im deutschsprachigen Bereich (so bei Max Scheler, Bertha von Suttner, Alfred Döblin und Karl Haushofer) Versuche ein, die vielfältigen Entwicklungen literarisch, filmisch und wissenschaftlich auszuloten. Sie stellten die Weichen für nachkriegszeitliche Selbstverständigungsdiskurse und kulturelle Auseinandersetzungen um die kollektive Erinnerung der Ereignisse. Im deutschsprachigen Raum hat diese langfristige Bewältigung des Asiatisch-Pazifischen Konflikts insbesondere im Zusammenhang mit den Schulbuchdebatten, die in Japan bzw. Ostasien geführt werden, Aufmerksamkeit erfahren. Die Diskussion um das koreanische Atomwaffenprogramm und die amerikanische Drohung mit „fire and fury“ lässt den Pazifik einmal mehr ins Zentrum von drastischen Kriegsszenarien und von Beobachtungen eines globalen Politik-, Wirtschafts- und Kulturwandels rücken.

Der 4. Deutsch-Asiatische Studientag möchte dazu beitragen, den Blick zu erweitern und gemeinsame Muster sowie wiederkehrende Fragen herausarbeiten. Die Veranstaltung bringt Wissenschaftler/innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, die zu verschiedenen Regionen arbeiten. Ihre Beiträge werden insbesondere die folgenden Fragen beleuchten:

  • Welche Werke, Themen bzw. Narrative charakterisieren nationale Selbstvergewisserungsdiskurse vor, während und nach der Kriegszeit? Welche Kontinuitäten und Brüche lassen sich herausarbeiten?
  • Welches Interesse und Verständnis pazifischer Kriegsszenarien zeigen Literatur, Film und Wissenschaft im deutschsprachigen Bereich?
  • Gibt es Werke, Themen bzw. Narrative, die über nationale Grenzen hinweg rezipiert wurden und die grenzübergreifende Perspektiven, Interpretation bzw. Sinnangebote geschaffen haben?
  • Mit welchen politischen Projekten sind bestimmte ‚Kriegserzählungen‘ im transpazifischen Dreieck der Gegenwart verbunden?
  • Welche Spuren haben die militärische Auseinandersetzung im Pazifik und die folgende kulturelle Auseinandersetzung um das kollektive Gedächtnis im deutschsprachigen Raum hinterlassen?

  

PROGRAMM

9:00 Uhr

Stefan Keppler-Tasaki, Harald Salomon: Einführung

9:30 Uhr

Elisabeth Bronfen (Universität Zürich): Poesie des Todes. Ästhetische Formalisierung der Schlacht in Thin Red Line von Terrence Malick

10:30 Uhr Kaffeepause

10:45 Uhr

Manuel Köppen (Humboldt-Universität zu Berlin): Strände, Flaggen, Briefe. Der Chronotopos Iwo Jima

11:45 Uhr

Helmut G. Asper (Bielefeld): Krieg im Pazifik und die europäischen Filmexilanten

12:45 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr

Ingrid Gessner (PH Vorarlberg): Pearl Harbor, Manzanar, Venice: Exploring Transnational Virtual Reality Art

15:00 Uhr

Thomas Pekar (Gakushuin University, Tokyo): Japanische Kriegsdiskurse und die ideologische Totalisierung des Krieges in Deutschland in der Zwischenkriegszeit (Haushofer, Ludendorff, Ernst Jünger)

16:00 Uhr Kaffeepause

16:15 Uhr

Tomas Sommadossi (Freie Universität Berlin): Chinesische Universitäten in Krisenzeiten. Susanne Wantochs Kriegsroman Nan Lu – Die Stadt der verschlungenen Wege (1948)

17:15 Uhr

Henning Klöter (Humboldt-Universität zu Berlin): Erinnerung oder Legitimation? Nachkriegsliteratur in der VR China und Taiwan

18:15 Uhr

Abschlussdiskussion

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