Brockmann, Claudia: Die kastilischen 'cancioneros' als Spiegelbild der Gesellschaft. Konzepte und deren Wandel in der 'cancionero'-Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Lyrik des ausgehenden Mittelalters auf der Iberischen Halbinsel. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen zwei thematische Haupttendenzen der höfischen Lyrik des 14. und 15. Jahrhunderts: die Liebeslyrik und sozialkritische Gedichte. Da die Lyrik dieser Epoche in Sammlungen erhalten ist, die die Werke verschiedener Autoren enthalten, werden zwei der großen Kompilationen näher vorgestellt: Der Cancionero de Baena, der die erste vorwiegend in kastilischer Sprache verfasste Sammlung ist, und der Cancionero General, der den Endpunkt der spätmittelalterlichen Liederbuch-Tradition auf der Iberischen Halbinsel markiert. Diese beiden cancioneros werden in ihrem literarischen Kontext eingebettet. Mit dem Blick auf die Lyrikproduktion in Portugal und Galicien im ausgehenden Mittelalter werden die literarischen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Königreichen herausgearbeitet. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Analyse der Veränderungen der lyrischen Motive und wie diese mit soziokulturellen Umschwüngen zusammenhängen.
Im einleitenden Teil der Arbeit wird der historische und literarische Hintergrund der Epoche skizziert, damit später die Interdependenzen zwischen den lyrischen Texten und ihren Entstehungskontexten dargestellt werden können. Obwohl es in der Forschung mittlerweile eine breite Auseinandersetzung mit einzelnen Motiven oder Autoren der cancionero-Lyrik gibt, hat es bislang nur wenig Forschung zu der Entwicklung, bzw. Veränderung unterschiedlicher Motive gegeben. Nach der Verortung der bearbeiteten cancioneros in der kastilischen Liederbuch-Tradition, werden der Cancionero de Baena und der Cancionero General detaillierter in Bezug auf die Autorschaft, die Überlieferung, die Struktur und die modernen Editionen vorgestellt. Darauf folgend wird die galicisch-portugiesische Lyrik als Quelle für die kastilischen Autoren näher untersucht. Die Analyse der Gedichte von Alfonso Álvarez de Villasandino, Juan Alfonso de Baena und Florencia Pinar bilden den Nukleus der Arbeit.
Unter Berücksichtigung der vorangestellten Aspekte werden im abschließenden Kapitel die Verbindungen zwischen den sozialen Umbrüchen und dem Wandel einzelner literarischer Motive fokussiert, um zu einem vertieften Verständnis der Funktion von Lyrik im ausgehenden Mittelalter zu gelangen.

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