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Christoph Witt

Sprechende Gegenstände und Inschriften: Zur Funktionalisierung von Gegenständen in fiktionaler Literatur des deutschen und englischen Mittelalters

2015-Christoph Witt

Freie Universität Berlin

Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Email witt@zedat.fu-berlin.de

Christoph Witt, geboren 1987 in Berlin, studierte Philosophie und Deutsche Philologie mit Schwerpunkt auf Älterer Deutscher Literatur an der Freien Universität Berlin, gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Das Wintersemester 2011/12 verbrachte er am University College London. Während des Studiums arbeitete er als studentische Hilfskraft für Prof. Dr. Johnston am Sonderforschungsbereich 980 „Episteme in Bewegung“. Er schloss seinen Master 2014 mit einer Arbeit zu Inschriftlichkeit in mittelhochdeutscher Literatur ab.

 Sein Forschungsinteresse gilt besonders der mittelhochdeutschen Literatur, .

 Christoph Witt ist seit Oktober 2015 im Promotionsstudiengang Literaturwissenschaftliche Studien - Literary Studies der Friedrich Schlegel Graduiertenschule immatrikuliert.

SS 2015: "Der Tristan Gottfrieds von Straßburg" und "Einführung in die mittelhochdeutsche Sprache". Kombiniertes Seminar 16610, Basismodul Ältere deutsche Literatur und Sprache (http://www.fu-berlin.de/vv/de/lv/209914?m=179455&p=237969&pc=253602&sm=163783)

In dem Promotionsprojekt „Sprechende Gegenstände und Inschriften: Zur Funktionalisierung von Gegenständen in fiktionaler Literatur des deutschen und englischen Mittelalters“ sollen Erkenntnisse der Medienwissenschaften und der neueren Forschung zu materiellen Gegenständen zur komparatistischen Arbeit mit alt- und mittelenglischer, vor allem aber mittelhochdeutscher Literatur angewendet werden, um zwei spezielle Phänomene zu analysieren, in denen Text und Objekt in besonders prägnante und spannungsreiche Beziehung zueinander treten: Inschriften und sprechende Gegenstände.

Eine zentrale These des Projektes ist, dass in beiden Konstellationen die literarische Bedeutung eines Gegenstandes in so intensive Interaktion mit in einem Fall gesprochener Rede, im anderen Fall einer Inschrift treten kann, dass gleiche Worte unterschiedliche Bedeutung gewinnen, je nachdem, mit welchem Gegenstand sie zusammenspielen. Beispielsweise wandelt sich das „Exter-Rätsel 5“ von einer melancholischen Elegie zur Parodie, je nachdem, ob als lyrisches Ich des Gedichtes der Schild eines Schwertkämpfers oder ein Hackbrett für Gemüse angenommen wird.

Eine weitere These des Projektes besagt, dass die Bedeutungen von Gegenstand und Inschrift bzw. Aussage nicht additiv zusammenkommen, sondern eine wechselseitige Bedeutungsaufladung zu qualitativ neuer Bedeutung führt. Zur Bedeutung eines Objektes tritt also nicht die Bedeutung einer Inschrift hinzu, sondern beides, Inschrift und Gegenstand, gewinnen im Zusammenspiel neue Bedeutung. Die medienwissenschaftliche Perspektive erfährt hierbei literaturwissenschaftliche Erweiterung, da Gegenstände in Erzählungen eigene Geschichten entfalten, Figuren sie rezipieren und mit ihnen interagieren können. Im Titurel Wolframs von Eschenbach beispielsweise schreibt ein Liebespaar seine Geschichte in diamantenen Buchstaben auf eine 20 Meter lange Hundeleine, doch im Verlauf der Handlung läuft der Hund weg, ein weiteres Liebespaar findet ihn im Wald, verliert ihn aber ebenfalls und stürzt beim Versuch, ihn wiederzugewinnen, ins Unglück. Nicht nur die materielle Umsetzung des Textes, sondern auch die Geschichte, die um den Gegenstand erzählt wird und die Szenen scheiternder Rezeption umfasst, findet so Eingang in die die Interpretation der Inschrift.