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Nora Weinelt

Poetik des Versagens. Über ein literarisches Phänomen

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
Room JK 33/103
14195 Berlin
Email noraweinelt@gmx.de

Nora Weinelt, geboren 1986, studierte von 2006 bis 2012 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Italienische Philologie an der LMU München. Währenddessen mehrfache Aufenthalte in New York und Studium an der Université Paris IV. In ihrer Magisterarbeit (Betreuerin: Prof. Dr. Barbara Vinken) beschäftigte sie sich mit Modetheorie und untersuchte den substantiellen Wandel der Männermode in den letzten beiden Jahrzehnten. Nach Abschluss ihres Studiums war sie am Institut für Romanische Philologie der LMU München tätig, bis sie im Oktober 2013 ihr Promotionsstudium an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule begann.

Das Promotionsprojekt Poetik des Versagens beschäftigt sich mit dem Versagen als Phänomen in literarischen Texten um 1900. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Annahme, dass der heuristische Begriff ‚Versagen’ geeignet ist, relevante Charakteristika moderner Texte freizulegen – und eine neue Perspektive auf Grundkategorien moderner Literatur (beispielsweise Probleme sprachlicher Fixierung, Subjektivierung, Fragmentarisierung) eröffnet, die sich für die (Re-)Lektüre der Texte als essentiell erweist. Dabei soll das Versagen weder als bloß motivgeschichtlicher Topos betrachtet, noch produktionsästhetisch lesbar gemacht werden. Vielmehr etabliert es sich, in Abgrenzung zu einem deutlich älteren Konzept des Scheiterns, als Phänomen narrativer Vermittlung, das in seiner ‚Essenz’ nur im Medium des Textes existieren kann – und sogar, so zumindest die Arbeitshypothese, von literarischen Texten als kulturgeschichtliches Phänomen hervorgebracht wird. Darstellungen des Versagens, die überhaupt erst zu einer Konzeptualisierung des Begriffs und zu einer Manifestierung des Phänomens führen, sind also a priori an das Medium des Textes, an Spezifika literarischer Vermittlung gebunden. Während Scheitern als jahrhundertealter Bestandteil der Literatur (und hier vor allem der Tragödie) ein ästhetisiertes Phänomen darstellt, scheint Versagen zuallererst ein ästhetisches Phänomen zu sein .