20150602_Banner_Rollup

Chong Shen

Künstliche Natur - Zur Raummetaphorik in der deutschsprachigen Dekadenz-Literatur der Jahrhundertwende am Beispiel von Hugo von Hofmannsthal und Stefan George

Chong shen

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
Room JK 33/106
14195 Berlin
Email shenchong@zedat.fu-berlin.de

Chong Shen, geboren 1989 in Tongxiang, VR China, hat sein Bachelor- und Masterstudium im Fach Germanistik an der Fudan University Shanghai im Juni 2014 abgeschlossen, wobei er im Studienjahr 2013/14 im Rahmen des Direktaustauschprogramms an der Freien Universität Berlin studierte. In seiner Masterabschlussarbeit Auswahl und Neuordnung: Zur Garten-Metaphorik der Dichtung und des Kreises von Stefan George versucht er auf die Frage, wie die Gartenkunst auf der strukturellen und inhaltlichen Ebene zur Dichtkunst und ästhetischen Wende Georges steht, zu antworten. Seit Oktober 2014 ist Chong Shen an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien immatrikuliert.

Sein Forschungsvorhaben mit dem Titel Künstliche Natur - Zur Raummetaphorik in der deutschsprachigen Dekadenz-Literatur der Jahrhundertwende am Beispiel von Hugo von Hofmannsthal und Stefan George behandelt, einen Querschnitt durch das Motiv Künstliche Natur in der Dichtung Hofmannsthals und Georges ziehend, drei naturnachahmende artifizielle Räume (Treibhaus, Friedhof/Park und Garten) und zwei übernatürliche phantastische Räume (Unterwelt und Utopie), wobei die zeitlichen Ursprünge solcher Raumbilder in Mittelalter, Barock und Romantik usw. berücksichtigt werden, um die literarischen Laufbahnen und kulturellen Konzepte der beiden Dichter darzulegen. Die beiden daraus entstandenen kulturell-politischen Lösungen zur Krise – Hofmannstals Universalismus im öffentlichen und Georges Elitismus im abgeschlossenen Raum - haben in vielerlei Bereichen des 20. Jahrhunderts wie Literatur, Musik, Soziologie, Politik und Philosophie ihre Spuren hinterlassen. Ihre sich ergänzenden und widersprechenden Eigenschaften lassen sich besonders in verschiedenen Verwendungen des gleichen Raumbildes erkennen.

Zu bemerken ist, dass die zur Analyse stehenden Texte nicht alle der Dekadenz-Literatur zuzuordnen sind und dass die Salzburger Festspiele und das Geheime Deutschland zeitlich über die Jahrhundertwende hinaus übergreifen. Doch die Ich- und Zeitkrise, die es bei Hofmmansthal und George zu überwinden gilt, wurzelte genau in der Dekadenz um die Jahrhundertwende, die geradezu zwingend mit dem Bild der Künstlichen Natur verbunden ist. Von den solipsistischen Aporien dieser Ästhetik im Fin de siècle ausgehend waren die beiden Dichter in ihrer späteren Dichtung immer auf der Suche nach Lösungen zur Ich-Krise des Frühwerks. Jeder folgte dabei seinen eigenen Vorstellungen, bis schließlich mit Hofmannsthals Salzburger Festspiele einerseits, Georges Geheimen Deutschland andererseits zwei kollektive buchstäbliche (Ab-)Lösungen vom Ich-Absolutismus der Dekadenz ins Leben kamen.