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Jan Lietz

‚Haltung’ und Realismus bei Alexander Kluge und Rainald Goetz (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)

Freie Universität Berlin

Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Email jan.lietz@fu-berlin.de

Jan Lietz, 1985 in Neumünster geboren, absolvierte von 2006 bis 2008 ein fernsehjournalistisches Volontariat in Köln. Von 2008 bis 2015 studierte er die Fächer Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Université Paris 8 – Vincennes – Saint-Denis. Ab März 2011 wurde er bis zum Abschluss seines Masterstudiums von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit Oktober 2015 promoviert Jan Lietz an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin zum Thema ‚Haltung‘ und Realismus bei Alexander Kluge und Rainald Goetz. Abseits dessen verfasst er Kritiken zu Literatur, Film, Mode und anderen, bildenden und darstellenden Künsten.

Anliegen des Dissertationsprojektes ist es, ‚Haltung’ als literaturtheoretischen Begriff zu etablieren. Der hochgradig polyseme Begriff gewinnt seit dem späten 18. Jahrhundert in Bezug sowohl auf seine anthropologischen als auch ethischen Dimensionen zusätzlich eine poetologische Bedeutung, die auf gleich mehreren Ebenen eine Kritik an ästhetischen Paradigmen der ‚Nachahmung‘ etabliert.
Als aus der Malerei entlehnter, zunächst technischer Begriff, wandelt ‚Haltung‘ sich im 18. Jahrhundert zu einer auf die gesamte Kunst ausgeweiteten, formalen Kategorie (Sulzer, Herz). Als solche bezeichnet ‚Haltung‘ jene Eigenschaft, durch die das Kunstwerk sich kausal selbst ‚hält‘ und der ‚Wirklichkeit‘ gegenübertritt. Zugleich reflektiert der Begriff die werkkonstituierende Funktion künstlerischer Subjektivität und deren gesellschaftliche, ethische sowie anthropologische Vermittlung. In diesem Sinne deutet ‚Haltung‘ auf ein aktivistisches Verständnis von ‚Mimesis‘ nicht als Nachahmung einer vorgegebenen Objektwelt, sondern als subjektives ‚engaging‘.
Insbesondere ab dem frühen 20. Jahrhundert (Lukács, Brecht, Benjamin und Adorno) korreliert der Begriff direkt mit einer Reflexion über literarischen Realismus und dessen politische Valenz. Vor diesem Hintergrund liegt der Schwerpunkt des Projekts auf den Arbeiten von Alexander Kluge und Rainald Goetz, die mit je unterschiedlicher Nuancierung das Verhältnis von ‚Haltung‘ und Realismus problematisieren.


Weitere Interessenschwerpunkte abseits der Dissertation liegen in den Bereichen der politischen Narratologie, der Diskursgeschichte der Mode, Lebensmetaphern in der Naturforschung des 18. und 19. Jahrhunderts sowie dem Zusammenhang von Technologie und Mündigkeit.

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