20150602_Banner_Rollup

Dagmara Kraus-Cavaillès

„Von Kometenschwänzen auf Krieg“: Zur Denkfigur „Sprung“ in der Weltliteratur

dagmara kraus

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Email dagmara.kraus@gmail.com

Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, hat Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris studiert. Sie ist Lyrikerin und Übersetzerin aus dem Polnischen.

Seit Jahrtausenden gilt der „Sprung“ als „Metapher für geistige Übergänge“ (Alois M. Haas), die mit radikalen Kontinuitätsbrüchen einhergehen. Wo sich anstatt eines graduellen Übergangs unvermittelte Differenz oder ein metaphysisches Vakuum einstellen, hilft nur ein „Sprung“. Ob als „Satz“ verstanden oder als „Kerbe“ wie bei Walter Benjamin, der ihm die Rettung aus der Katastrophe anverspricht, wirkt der Sprung in der Weltliteratur als wesentliches Element eines jeweils spezifischen Erlösungsgeschehens. So erlöst das Schreiben als Sprung bei Kafka von der Wiederholung der „Totschlägerreihe Tat-Beobachtung-Tat-Beobachtung“; Apollonios’ von Rhodos Held Butes wird in Pascal Quignards Auslegung der Argonautensage im Sprung vom Schiff ins Meer zu den Sirenen zeitgleich vom Verlangen sowie vom Sprung-Verbot erlöst; vor der Nacht und vor dem eigenen Körper rettet sich Alejandra Pizarnik mittels eines quasi-mystischen Sprungs, wenn sie, das Erlösungs- mit einem Ablösungsmoment vereinend, schreibt: „He dado el salto de mí al alba. / He dejado mi cuerpo junto a la luz / y he cantado la tristeza de lo que nace.“

Diesen und weiteren Sprüngen anhand ausgewählter Werke der Weltliteratur nachzugehen ist Anliegen meines Dissertationsprojekts.