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Jule Govrin

Aufbegehren und Begierden. Zum Verhältnis von Begehren und Ökonomie in poetologischer und philosophischer Perspektive

Jule Govrin

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Email j.govrin@gmail.com

Jule Govrin hat an der Freien Universität und Paris VIII Philosophie und AVL studiert. Aktuell arbeitet sie an ihrem Promotionsprojekt und steht mit dem Institut für Queer Theory in enger Kooperation.

Prozesse der Ökonomisierung bilden im aktuellen literaturwissenschaftlichen Feld einen angeregt diskutierten Forschungskomplex, und Begehren als Analysekategorie ist spätestens seit der Methodik des Queer Reading in den poetologischen Diskurs aufgenommen worden. An diese beiden Forschungsstränge schnittstellig anschließend stellt sich die Frage: Wie artikulieren sich die Wechselwirkungen von Begehren und Ökonomie im Literarischen? Dieser Fragestellung ist das Dissertationsvorhaben gewidmet.

In der Lektüre ausgewählter Gegenwartsliteratur von Michel Houellebecq und Jonathan Franzen wird in komparatistischer Vorgehensweise aufgezeigt, wie Erotik und Affektivität kommerzialisiert und in die Konsumtionssphäre integriert werden. In diesem Prozess wirkt Literatur, so die zentrale These, als epistemisch- ästhetisches Reflexionsmedium und als soziopolitischer Aushandlungsraum, in dem dominante Begehrensmodelle diskursiviert und gleichsam subvertiert werden. In Anlehnung an Foucaults Modell der Pastoralmacht wird dargelegt, wie sich Sexualität im postfreudianischen Zeitalter zum zentralen Modus der Subjektivierung und Selbstnarration wandelte, eine historische Entwicklung, in der dem Roman eine Schlüsselposition zukommt. Zudem wird nach der Ökonomie und Lust des Textes gefragt und in den Schriften von Deleuze und Guattari nach textperformativen Strategien geforscht, die sich zu einem Lektüreverfahren der textuellen Begehrensökonomien ausarbeiten lassen.

Zielsetzung des Promotionsprojekts ist es, eine Begehrenstheorie zu entwickeln, die am Nexus zwischen Textästhetik, sozialer und politischer Philosophie situiert ist. Somit ist die Arbeit auch als epistemische Übersetzungsleistung zwischen Wissensordnungen zu begreifen.