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Nadja Eckes

Das Wahrnehmungsereignis in der textuellen Wiederholung

Doctoral Candidate

Address Habelschwerdter Allee 45
Room JK 33/106
14195 Berlin
Email nadeck@zedat.fu-berlin.de

Nadja Eckes studierte an der Freien Universität Berlin Germanistik und Philosophie und schrieb ihre Masterarbeit zur Konfiguration des Eingedenkens bei Walter Benjamin.

Von Oktober 2014 bis September 2015 war Nadja Eckes PreDoc der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule. Seit Oktober 2015 führt Frau Eckes ihr Projekt als Doktorandin der FSGS weiter.

Die Entfaltung der Texträume setzt eine bestimmte Korrespondenz und eine Beziehung zu den Dingen in Gang und lehrt uns diese anders zu sehen. Das «andere Sehen», das «Sehen Lernen» (R. M. Rilke) oder das Sehen Verlernen – so die Annahme – formt sich als Teil der Erfahrung durch Wahrnehmungsereignisse im Rahmen der schriftlichen Wiederholung.

Ausgehend von poetischen und philosophischen Texten als Mitteilung und Ort der Erfahrung und deren Reflexion zielt die Studie auf eine Lehre der Wahrnehmung. Wie formen und gestalten die Wahrnehmungsereignisse – plötzliche Bilder, Entrückungen, Augenblicke des Erkennens u. a. – das Raum-Zeit-Gefüge des Textes und ergeben neue Bedeutungszusammenhänge? Was macht ein Ereignis philosophisch und poetologisch gesehen aus und wie verhält es sich zur Erfahrung?

Die Erfahrung besteht grundlegend aus Erlebnissen, Ereignissen und Wiederholungen, so der Ansatz der Lektüre. Rilkes Figur Malte Laurids Brigge beispielsweise schafft es durch schreibendes Erinnern, seine schrecklichen Erlebnisse poetisch wiederzufinden, zu verwandeln und erfahrbar zu machen. Jetzt erst wird das Entsetzliche bewusst und die Angst überwindbar; die Beziehung zu den Dingen verändert sich durch WiederHolungen und Wahrnehmungsereignisse. Die Frage lautet daher, wie das Zusammenspiel zwischen Erfahrung (experience) und Wahrnehmungsereignis gesehen werden kann. Wie wird die Wahrnehmung als ›Instrument‹ geübt und gebraucht? Welche Rolle spielt dabei das Vergessen, welche das Erinnern? Und inwiefern enthält das Ereignis zugleich mehrere Dimensionen, eine poetisch-bildhafte und eine religiöse oder philosophische Dimension?